Alle Aufmerksamkeit gehört der Fed

Der Marktbericht zur Woche
Bild: BBAG
Höher, aber volatil: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche unter Schwankungen zugelegt. Die erwartete Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte bereits im Vorfeld der Ratssitzung für Auftrieb gesorgt. Der eigentliche Zinsschritt am Donnerstag blieb ohne größere Wirkung auf die Börsen. Nachdem alles andere als die Zinsreduktion um 25 Basispunkte die Marktteilnehmer erheblich überrascht hätte, hatten diese mehr auf Hinweise auf die weiteren Schritte der EZB geachtet, die allerdings ausblieben. Damit sanken die Hoffnungen auf baldige weitere Zinsschritte. Am Freitag dämpfte dann noch ein in Teilen überraschend stark ausgefallener US-Arbeitsmarktbericht die Stimmung. Dieser sorgte für Spekulationen, dass die erste, von vielen zuletzt für September erwartete Zinssenkung der US-Notenbank Fed erst später im Jahr kommen könnte.

Dax-Familie legt leicht zu

Der Deutsche Aktienindex (Dax) verbesserte sich im Wochenvergleich um 0,3 Prozent auf 18.557,27 Punkte. Der MDax rückte um 0,5 Prozent vor auf 26.861,07 Zähler. Der TecDax legte um 3,6 Prozent zu auf 3.454,73 Punkte. Technologiewerte profitierten erneut von der Entwicklung des US-Konzerns Nvidia, der exemplarisch für die Erwartungen an das Thema Künstliche Intelligenz (KI) steht. Der Börsenwert des Chipherstellers überstieg in der vergangenen Woche die Marke von drei Billionen US-Dollar und lag zeitweise über dem von Apple. Der m:access All-Share beendete die Handelswoche gegenüber seinem Vorwochenendstand praktisch unverändert bei 1.291,48 Zählern.
 
Die Titel von SAP, in der Vorwoche noch die größten Verlierer im Dax, führten in der vergangenen Woche mit einem Plus 5,5 Prozent die Wochengewinner-Liste an. Neben der angekündigten Übernahme des israelischen Anbieters WalkMe trieb hier auch ein positiver Analystenkommentar zu den auf einer Kundenmesse vorgestellten Wachstumszielen des Softwarekonzerns. Der Kurs von Merck zog um 4,8 Prozent an, Auftrieb verlieh unter anderem eine Kurszielerhöhung. Die Titel von Vonovia verbilligten sich dagegen um 4,5 Prozent, wofür Beobachter vor allem die ausgebliebenen Signale zur weiteren Geldpolitik der EZB verantwortlich machten.
So schnell kann es gehen: In der Vorwoche noch Verlierer, vergangene Woche Gewinner im Dax: SAP / Bild: SAP

Anleihen: Notenbank stützt Kurse

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche zugelegt. Vor allem die erwartete und dann eingetretene Zinssenkung der EZB stützte die Notierungen der Bundespapiere, zeitweise auch als schwächer eingestufte US-Konjunkturdaten, die für eine Lockerung der Geldpolitik der Fed sprachen. Am vergangenen Freitag wurden diesbezügliche Erwartungen nach dem US-Arbeitsmarktbericht allerdings spürbar geringer. In der Folge gerieten auch die Kurse deutscher Staatsanleihen unter Druck. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank im Wochenvergleich dennoch von 2,64 auf 2,61 Prozent. Die Umlaufrendite fiel von 2,75 auf 2,64 Prozent..

USA: Neue Rekordstände

Die US-Aktienbörsen haben in der vergangenen Handelswoche Gewinne und neue Rekordstände verzeichnet. Einerseits sorgten Hoffnungen auf eine Zinssenkung der Fed für Auftrieb, die am Freitag durch den Arbeitsmarktbericht allerdings einen spürbaren Dämpfer erhielten, andererseits – gerade, aber nicht nur bei Technologiewerten – das Thema KI. Der Dow-Jones-Index kam im Wochenvergleich um 0,3 Prozent voran auf 38.798,99 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index stieg um 1,3 Prozent auf 5.346,99 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index gewann 2,5 Prozent auf 19.000,95 Punkte. Die beiden letzteren Indizes verbuchten am vergangenen Freitag trotz des US-Arbeitsmarktberichts neue Höchststände im Verlauf.

Ausblick: Wann folgt die Fed der EZB?

Nach der Entscheidung der EZB in der vergangenen Woche gilt die Aufmerksamkeit an den deutschen Aktienbörsen in der aktuellen Woche der Ratssitzung der Fed. Spätestens seit dem starken US-Arbeitsmarktbericht Ende vergangener Woche sind die ohnehin geringen Hoffnungen auf eine Zinssenkung bei dieser Sitzung aber praktisch gänzlich geschwunden, trotz einiger schwächerer US-Wirtschaftsdaten aus den Vortagen. Ähnlich wie bei der EZB-Sitzung in der Vorwoche stehen daher der Kommentar und der Ausblick der US-Notenbanker im Fokus. Von diesen erhoffen sich die Marktteilnehmer Signale, wann eine erste Zinssenkung kommen könnte.

Blick auf die Inflationsentwicklung

Zusätzliche Argumente für diesbezügliche Spekulationen dürften unmittelbar vor der Fed-Entscheidung die US-Verbraucherpreise liefern, die am gleichen Tag vorgelegt werden. Analysten erwarten, dass der Rückgang der Inflation wie schon zuletzt stockt, was eine rasche Zinssenkung unwahrscheinlicher mache. Auch hierzulande werden die Verbraucherpreise veröffentlicht, was Auswirkungen auf die Erwartungen an den weiteren EZB-Kurs haben könnte. Daneben stehen nur wenige potenziell marktbewegende Konjunkturdaten wie die Industrieproduktion in der Eurozone oder das Verbrauchervertrauen in den USA auf der Agenda. Am Freitag gibt die Bank of Japan das Ergebnis ihrer Ratssitzung bekannt, der unmittelbare Einfluss auf die hiesigen Aktienbörsen dürfte aber überschaubar sein.
 
Einen höchsten geringen Einfluss auf das Marktgeschehen billigen Beobachter auch dem Ergebnis der Europawahl zu, allerdings stiegen damit perspektivisch die politischen Unsicherheiten an den Börsen. Ein anderes Ereignis, die beginnende Fußball-Europameisterschaft, könnte sich dagegen bei Titeln von Ausrüstern wie Adidas oder Nike bemerkbar machen.
 
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 10.06.: Bruttoinlandsprodukt Japans
Mittwoch, 12.06.:
Verbraucherpreise in Deutschland; Ergebnis der Ratssitzung der US-Notenbank; Verbraucherpreise in den USA
Donnerstag, 13.06.:
Industrieproduktion in der Eurozone; Erzeugerpreise in den USA
Freitag, 14.06.:
Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (USA); Inflationserwartungen der Verbraucher in den USA; Ergebnis der Ratssitzung der Bank of Japan

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Merck 169,85 -1,05%
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SAP 176,16 0,01%
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adidas 216,00 -0,37%
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Vonovia 26,45 -0,15%
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Tops und Flops

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Nike -B- 88,44 -0,02%
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