Stimmungsaufhellung in der Industrie lässt auf Investitionen hoffen

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Deutsche Industriebank AG
Dr. Klaus Bauknech / Bild: IKB Deutsche Industriebank AG
Fazit: Die Stimmungsaufhellung im Verarbeitenden Gewerbe schreitet voran – wenn auch eher langsam. Und wie das Exportwachstum im ersten Quartal 2024 gezeigt hat, bleibt vor allem die globale Nachfrage hierfür entscheidend. Der Wachstumsbeitrag des privaten Konsums dürfte im Jahr 2024 hingegen eher moderat ausfallen. Doch mit einer Abkühlung der US-Wirtschaft und geopolitischen Risiken wird die globale Konjunktur kaum ausreichende Impulse für die privaten Ausrüstungsinvestitionen liefern, um diese ohne greifende Reformen entscheidend zu steigern. Die IKB erwartet für die deutsche Wirtschaft ein BIP-Wachstum von 0,4 Prozent im Jahr 2024 und 1,5 Prozent im kommenden Jahr.
Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal gewachsen – etwas mehr als erwartet wurde. Die Treiber des Wachstums sind hingegen weniger überraschend. Wieder einmal waren es die Exporte und somit die globale Nachfrage, die Impulse geliefert haben. Die Ausfuhren sind mit über 1 Prozent zum Vorquartal angestiegen, das höchste Wachstum seit dem dritten Quartal 2022. Und auch im weiteren Verlauf dieses und des nächsten Jahres wird die Auslandsnachfrage ein wichtiger Wachstumstreiber bleiben, deren Impulse sich dann auch in den Investitionen zeigen sollte. Ausrüstungsinvestitionen sind im ersten Quartal 2024 erneut zurückgegangen, mit 0,2 Prozent aber deutlich weniger als im Quartal zuvor. Dies lag vor allem an der Ausweitung der öffentlichen Investitionen. Der Privatsektor investierte hingegen 1,7 Prozent weniger in Ausrüstungen.
In den kommenden Quartalen ist jedoch von einer zunehmenden Erholung der privaten Ausrüstungsinvestitionen auszugehen. Denn die globale Erholung sollte zu einer Ausweitung der Produktionskapazitäten führen und noch viel wichtiger, zu einer sich festigenden Verbesserung der Unternehmensstimmung – vor allem im Verarbeitenden Gewerbe. Dies zeigt sich bereits und erneut beim ifo Geschäftsklima. Zwar ist der gesamte Index im Mai gegenüber dem Vormonat unverändert geblieben. Doch die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe hellte sich allerdings weiter auf. Auch haben sich die Geschäftsperspektiven aller Sektoren (Dienstleistung und Verarbeitendes Gewerbe) weiter verbessert.

Oftmals wird die Konjunkturerholung im Kontext der Transformation als wenig bedeutend angesehen. Schließlich ist sie nicht nachhaltig, sondern liefert nur kurzfristige Impulse. Doch laut aktueller Bundesbank-Umfrage (Monatsbericht Mai) ist die schwache Konjunktur der Hauptgrund für das zurückhaltende Investitionsverhalten. Die sich abzeichnende Konjunkturerholung ist daher notwendig, damit Investition für die Transformation ausgeweitet werden. Durch den positiven Investitionseffekt hat die Konjunktur zudem einen deutlich längeren Einfluss auf das Wachstum als es eine zyklische Erholung der Nachfrage allein andeutet. Allerdings dürfte die globale Erholung angesichts einer erwarteten US-Konjunkturabkühlung und geopolitischer Risken sich als eher moderat herausstellen. Ziel der Wirtschaftspolitik sollte es daher sein, die Sensitivität des Investitionsverhalten auf die Konjunkturerholung deutlich zu erhöhen. Also: Investitionen müssen auf die Konjunktur äußerst elastisch reagieren, sodass selbst eine moderate Belebung die Transformation vorantreibt. Hier sind die oft diskutierten Rahmenbedingungen entscheidend. Laut Bundesbank-Umfrage sind es vor allem Energie- und Lohnkosten sowie fehlende Klarheit über den regulatorischen Rahmen, die die Investitionstätigkeit bremsen und den Einfluss der Konjunkturerholung verwässern. Daher wäre es wünschenswert, dass die aktuelle Konjunkturerholung den Reformdruck erhöht – leider ist oftmals das Gegenteil der Fall.
Der private Konsum galt als Hoffnungsträger für die Konjunkturbelebung für 2024. Denn steigende Reallöhne und eine graduelle Stimmungsaufhellung sollten zu mehr Konsumfreude und Kaufkraft führen. Im ersten Quartal ging der private Konsum jedoch um 0,4 Prozent zurück und die Sparquote stieg. Konsumenten scheinen die Erhöhung ihres Einkommens eher für Rücklagen als für Ausgaben genutzt zu haben. Im laufenden Jahr ist selbst mit einer erneuten Erholung des privaten Konsums von keinem nennenswerten Wachstumsbeitrag für das deutsche BIP auszugehen. Die IKB erwartet in diesem und dem kommenden Jahr ein BIP-Jahreswachstum von 0,4 Prozent und 1,5 Prozent. Bei solch niedrigen Wachstumsraten bleibt es entscheidend, die Investitionsanreize für die Wirtschaft (privat wie staatlich) zu stärken. Die zu adressierenden Themen sind bestens bekannt.
Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank und schreibt dort auch im eigenen IKB-Blog. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.
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