Neuer State of Crypto: Rolle von Ethereum für unsere Finanzen und das Internet der Zukunft

Adrian Fritz, 21Shares
Grafik: 21Shares
Im soeben publizierten Forschungsbericht von 21Shares widmet sich das Analyseteam des weltgrößten Krypto-ETP-Emittenten der Kryptowährung Ethereum, die in Kürze ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Als Leitfaden für Journalisten und Investoren nimmt der „State of Crypto“ die Ethereum-Blockchain als dezentralisierte Entwicklerplattform genau unter die Lupe und erörtert unter anderem die Risiken sowie die Bewertung der nach Bitcoin zweitgrößten Blockchain. Ihr Fazit: Ethereum stehe geradezu exemplarisch für den grundlegenden Wandel der digitalen Infrastruktur und ihrer aufstrebenden Wirtschaft.
Noch vor kurzem galt die Blockchain als Nischenkonzept für wenige Kenner. Nun entwickelt sie sich zur transformativen Kraft. An der Spitze dieser Revolution steht Ethereum, die als dezentralisierte Plattform den ursprünglichen Anwendungsfall eines Peer-to-Peer-Zahlungsverkehrs nach dem Vorbild von Bitcoin hinter sich lässt und mit einer Vielzahl neuer Applikationen, sogenannter Smart Contracts, zum Wachstum dieses Netzwerks beiträgt.
 
Es entwickle sich so ein Wirtschaftszweig, der tausende neuer digitaler Geschäftsmodelle hervorbringe: Börsenplätze, Investmentservices bis hin zu Kunstgalerien. Schon die Zusammenfassung des Berichts beantwortet einige für Investoren wie Interessierte gleichermaßen grundsätzliche Fragen:

Grundsätzliche Fragen zu Ethereum

Was ist Ether?
ETH, das native Kryptoasset des Netzwerks, es ist der essentielle Treibstoff, um die Blockchain zu betreiben. Vergleichbar mit Öl, das wir verwenden, um Fahrzeuge anzutreiben, Gebäude zu heizen oder Strom zu erzeugen. ETH ist die digitale Währung, die Nutzer für jede Transaktion, die sie im Netzwerk durchführen, bezahlen müssen.
Was ist Gas?
In der digitalen Welt von Ethereum ist „Gas“ das zu zahlende Entgelt für die Abwicklung von Transaktionen. Stellen Sie es sich wie eine Taxifahrt vor – Sie zahlen einen kleinen Betrag an ETH, damit Ihre Transaktion vom Netzwerk bearbeitet wird. Die Gebühr gibt den für die sichere Abwicklung von Transaktionen zuständigen Validatoren einen Anreiz, Ihre Transaktion vorrangig zu bearbeiten. Und sorgt dafür, dass das Netzwerk reibungslos funktioniert. Ähnlich wie Benzinpreise können Gasgebühren jedoch je nach Nachfrage schwanken und in Spitzenzeiten, wenn eine hohe Anzahl von Transaktionen anstehen, manchmal stark ansteigen. Während diese Gebühren für die Sicherheit entscheidend sind, können sie auch eine Hürde für die Nutzer sein. Hier kommen Skalierungslösungen ins Spiel, um die unglaubliche Menge an Stress auf der Ethereum-Blockchain zu verringern.
 
Was ist Staking?
Staking ist ein effizienterer Konsensalgorithmus, der von neueren Blockchains übernommen wird, um den korrekten Zustand des Netzwerks zu bestimmen. Validatoren nehmen daran teil, indem sie ihre ETH als Sicherheiten einsetzen, die als Versicherung gegen potenziell unlauteres Verhalten dienen und im Falle von Verstößen abgezogen werden. Vom Konzept her ähnelt das Staking einem Sparkonto, das es den Nutzern ermöglicht, sich zu beteiligen und auf der Grundlage ihrer Sicherheitsbeiträge Belohnungen zu verdienen. Dies ist vergleichbar mit der Art und Weise, wie Sparer Zinsen verdienen, indem sie Geld bei Banken einzahlen, was die Kreditvergabe ankurbelt und die Wirtschaft aufrechterhält. In diesem Sinne kann die Staking-Rendite von Ethereum als gleichwertig mit einer digitalen Internetanleihe betrachtet werden.
 
Was ist Liquid Staking bzw. Re-Staking?
Mit dem 2021 eingeführten Liquid Staking wurden die Ineffizienzen des traditionellen Staking behoben. Es ermöglichte, ETH zu staken und dafür IOU-Token zu erhalten, die das Kapital und die aufgelaufenen Erträge der Nutzer repräsentieren. Diese Token konnten als Sicherheiten im neuen, dezentralen Finanzsystem des Web 3 (DeFi) verwendet werden, wodurch die Liquidität und der Zugang zu den Staking-Märkten verbesserten, ohne dass eine eigene Infrastruktur erforderlich war oder Mindestguthabenanforderungen wie die sogenannte „32-ETH-Schwelle“ erfüllt werden mussten. Im Gegensatz dazu dehnt Re-Staking die Sicherheit von Ethereum auf externe Netzwerke aus und schafft so einen Marktplatz des Vertrauens. Kleinere Netzwerke können nun die Sicherheitsgarantien von Ethereum nutzen, was die Kosten senkt und den Aufbau der Sicherheit ihrer Netzwerke beschleunigt.
 
Was sind die Risiken?
Anhaltender Inflationsdruck ist ein Hauptrisiko für die Kryptoindustrie in diesem Jahr, da er potenzielle Zinssenkungen verzögert und den Druck auf risikoreiche Vermögenswerte wie Krypto erhöht. Darüber hinaus könnte das uneingeschränkte Wachstum des Blockchain-Protokolls EigenLayer Ethereum zu einem Single Point of Failure (Schwachstelle) machen und seine Sicherheit gefährden. Auch die Konkurrenz durch alternative Smart-Contract-Plattformen und die Möglichkeit, dass sich Institutionen für regulierte Distributed-Ledger-Technologie (DLT)-Plattformen einsetzen, stellen nach Meinung von 21Shares weitere Risiken für die Marktdominanz von Ethereum dar.
 
Wie kann man Ethereum bewerten?
Ethereum arbeitet mit einem sogenannten „Proof-of-Stake-System“, bei dem Validatoren einen Teil ihres Kapitals – insbesondere ETH – als „Stake“ einsetzen, um Transaktionen zu bestätigen und gleichzeitig einen wiederkehrenden Ertrag aus den Aktivitäten des Netzwerks zu erzielen. Dies positioniert Ethereum innerhalb des Capital Asset Frameworks und ermöglicht die Verwendung von Stake-Renditen und Transaktionsgebühren als Ersatz für zukünftige Cashflows. Den Wert von Ethereum schätzen die Analysten demzufolge mit der sogenannten „Discounted-Cashflow-Methode“, die den Nettogegenwartswert der jährlichen Zahlungsströme an die Validatoren berechnet.
Den ins Deutsche übersetzten vollständigen „State of Crypto“ können Sie HIER herunterladen
Adrian Fritz ist Head of Research von 21Shares.

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