Trumps Wiederwahl könnte grüne Transformation nicht aufhalten

Steve Williams, Nikko AM
 Steve Williams / Bild: Nikko AM
Der Inflation Reduction Act (IRA) stellt fast 390 Milliarden US-Dollar für saubere Energie bereit. Unter anderem werden Initiativen zur Dekarbonisierung finanziert und die Einführung von Elektrofahrzeugen gefördert. Die IRA bringt die USA nicht nur ihrem Ziel näher, die Kohlenstoffemissionen bis 2030 zu halbieren, sondern ist auch ein Schlüsselfaktor für die Förderung nachhaltiger Anleiheemissionen und -investitionen. Biden könnte nach seiner Wiederwahl auf den Erfolgen seiner ersten Amtszeit aufbauen, indem er fortschrittlichere Gesetze verabschiedet, die das Engagement Washingtons für eine saubere Energiewende untermauern. Wie groß aber wäre die Gefahr einer zweiten Trump-Präsidentschaft für die Umstellung auf saubere Energie?

Saubere Energie wird von Trump nicht aufzuhalten sein

Könnte Trump gar die Fortschritte der USA beim Klimaschutz zunichtemachen? Trumps Ansichten als Präsident zu grünen Themen unterschieden sich erheblich von denen, die er einst als Privatmann vertrat. In seiner ersten Amtszeit lehnte Trump jegliche positive Klimamaßnahme ab, indem er die USA aus dem Pariser Abkommen zurückzog und Vorschriften für die Kraftstoffeffizienz abschwächte. Trump gilt heute als Klimaskeptiker, der im Falle einer zweiten Amtszeit darauf drängen wird, die Gesetzgebung der Demokraten – insbesondere den IRA – zurückzudrehen.
 
Das aber auch durchzusetzen, könnte ihm schwerer fallen als er denkt. Erstens könnten ihm Senat und Repräsentantenhaus die Unterstützung versagen. Ohne klare Mehrheiten in beiden Häusern könnten Trumps Pläne scheitern, wie es im Falle des Affordable Care Act der Fall war. Zweitens ist der IRA gut für die USA, insbesondere für viele „roten“ Bundesstaaten. Nach Angaben des Center for American Progress werden acht der zehn Kongressbezirke, die die größten Investitionen in saubere Energie erhalten werden, von Republikanern geführt. In Texas gibt es inzwischen 239 Windkraftprojekte und mehr als 15.300 Windturbinen; 28,6 Prozent der Energieerzeugung des Staates entfällt auf Windkraft. Es könnte politisch schwierig werden, diese Branche und ihre Arbeitsplätze zu gefährden.
 
Saubere Energie ist darüber hinaus kosteneffizienter. Laut Lazard's Levelized Cost of Energy ist die Produktion von Wind- und Solarenergie an Land günstiger als alle anderen Energiequellen. Diese sauberen Energiequellen sollten daher auf Dauer Bestand haben – daran dürfte auch eine zweite Amtszeit Trumps wenig ändern.

Elektrofahrzeuge setzen sich durch

Die Einführung von Elektrofahrzeugen schreitet aufgrund der hohen Kosten und der begrenzten Reichweiten nur langsam voran. Es gibt jedoch Fortschritte. Bereits 2014 prognostizierte der Unternehmer, Autor und Visionär für saubere Energien Tony Seba, dass Lithium-Ionen-Batterien bis zum Jahr 2027 den Kostenmeilenstein von 50 USD pro Kilowattstunde erreichen würden. Im Januar hielt Seba für möglich, dass China diese Zahl schon früher erreichen könnte – CATL und BYD liegen mit ihren Batterien bereits bei 56 USD pro Kilowattstunde. Seba‘s Prognose zufolge werden die Batteriekosten pro Kilowattstunde in den nächsten zehn Jahren um bis zu 80 Prozent sinken, was enorme positive Auswirkungen auf die Zukunft der Elektrofahrzeuge hätte.
 
Dank niedriger Preise und höherer Batteriekapazitäten dürfte eine neue Generation von Elektroautos bald den gesamten Verkehrsbereich dominieren. Infolgedessen werden die Marktkräfte und die wirtschaftlichen Realitäten wahrscheinlich jeglichen politischen Widerstand oder Rückschlag gegen saubere Energielösungen vollständig überwinden. Es wird für Trump schwierig sein, die Marktkräfte zu bekämpfen, wenn die wirtschaftlichen Aspekte unbestreitbar sind.

Emission von Green Bonds geht weiter

In den vergangenen zwölf Monaten haben republikanische Politiker und Investoren den Verkauf von US-Schuldtiteln mit ESG-Bezug so sehr behindert, dass Blackrock inzwischen den politisch neutraleren Begriff „Transition Investing“ verwendet. Mit einer Marktgröße von 4 Billionen USD weltweit und einem potenziellen Marktvolumen von mehr als 10 Billionen USD bis zum Ende des Jahrzehnts lässt sich die Marktdynamik grüner und nachhaltiger Anleihen nicht ignorieren. Trump wird womöglich einsehen, dass er diese Anleihen nicht wird unterdrücken können.
 
All diese Faktoren deuten darauf hin, dass der grüne Übergang nicht aufzuhalten ist und dass Trump Schwierigkeiten haben wird, die Zustimmung seiner Mitbürger, seiner Partei oder gar der Märkte zu erhalten, um die von seinen demokratischen Vorgängern erlassenen Gesetze zu kippen. Das Momentum liegt eindeutig beim grünen Übergang und wird sich auch nicht aufhalten lassen, unabhängig davon, wer für weitere vier Jahre ins Weiße Haus einzieht.
Steve Williams ist Green Bond Portfolio Manager bei Nikko Asset Management.

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