Engagement gegen den Klimawandel - Bergbau, Transport und Finanzwesen im Visier der Investoren

Vicki Bakhshi, BMO Global Asset Management
Vicki Bakhshi / Bild: BMO Global Asset Management
Von der ‚Wiederherstellung unserer Erde‘ sprachen Politiker auf dem jüngsten Earth Day 2021. Wir sehen dafür vor allem auch den Finanzmarkt in der Verantwortung. Als Investoren müssen wir unsere Position als ‚Manager von Kapital‘ nutzen, um Unternehmen dazu zu bewegen, klimafreundliche Geschäftspraktiken einzuführen und positive Veränderungen zu fördern. Branchen wie Bergbau, Transport und Finanzwesen müssen noch nachziehen.
Bergbau
Der Bergbausektor ist vielfältig, und wir haben sowohl mit den größten multinationalen, diversifizierten Bergbauunternehmen als auch mit spezialisierten Bergbauunternehmen zusammengearbeitet, die sich auf Rohstoffe wie Kohle und Gold konzentrieren. Insgesamt sind die großen diversifizierten Bergbauunternehmen am weitesten fortgeschritten, wenn es um formale Verpflichtungen zu einer Netto-Null-Umstellung geht. BHP Billiton, Anglo American und Glencore besitzen nun alle eine Strategie für den Ausstieg aus der Kohle, wobei BHP und Anglo ihre Anteile verkaufen wollen und Glencore sie bis zum Ende der Lebensdauer betreibt.
 
Ein Hauptaugenmerk dieser Unternehmen lag darauf, wie sie ihren beträchtlichen politischen Einfluss nutzen. Als Co-Leiter der Climate Action 100+ führten wir mit BHP Billiton eine intensive Auseinandersetzung innerhalb der Lobbyarbeit und den Mitgliedschaften in Fachverbänden durch, so dass das Unternehmen 2020 ein marktführendes Lobbying-Rahmenwerk ankündigte.
 
Das Bild über die spezialisierten und regionalen Bergbauunternehmen war und ist gemischt. Das Goldbergbauunternehmen Newmont war mit seinem Netto-Null-Ziel ein Beispiel für eine führende Rolle. Bergbauunternehmen in Asien und Südamerika haben sich bisher weniger engagiert gezeigt. Unternehmen in diesem Sektor werden in der Regel stark von der nationalen Regierungspolitik beeinflusst; da im Vorfeld der COP26 wahrscheinlich mehr Netto-Null-Verpflichtungen der Regierungen auftauchen werden, erwarten wir Spielraum für ein stärkeres Engagement.

Transportwesen

Wir haben sowohl mit Automobilherstellern als auch mit Schifffahrtsunternehmen zusammengearbeitet. Angesichts weiterer politischer Maßnahmen der Regierungen zur schrittweisen Abschaffung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren sehen die meisten Automobilunternehmen nun eine Strategie für Elektrofahrzeuge (EV) als wesentlich an, um ihren Wettbewerbsvorteil zu erhalten. Zu den Vorreitern gehören Volkswagen, das sich verpflichtet hat, bis 2030 70 reine E-Fahrzeugmodelle anzubieten, und Daimler, das bis 2039 eine emissionsfreie Flotte anstrebt.
Unser Engagement konzentrierte sich insbesondere auch auf Unternehmen, deren Ehrgeiz hinter dem der führenden Hersteller zurückbleibt, insbesondere Fiat Chrysler (jetzt Teil von Stellantis), bei denen wir das Climate Action 100+ Engagement leiten und zwei Treffen mit deren Nachhaltigkeitsdirektor hatten. Um den Vorstand direkt anzusprechen, gaben wir auf der Jahreshauptversammlung eine Erklärung ab, in der wir mittelfristige klimabezogene Ziele und Transparenz in Bezug auf Klima-Lobbying forderten.
 
In der Schifffahrt hat die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) im Jahr 2018 einen Weg zu einem emissionsarmen Übergang aufgezeigt - allerdings mit relativem Erfolg, was die Umsetzung anbelangt. Maersk war das erste große Unternehmen, das sich 2018 ein Netto-Null-Ziel gesetzt hat.

Finanzinstitute

Finanzinstitutionen wie Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter bieten ein komplexeres Bild als andere Sektoren, wenn es um die Bewertung der ‚Pariser Ausrichtung‘ geht - ihre Auswirkungen auf den Klimawandel entstehen in erster Linie durch Aktivitäten, die sie finanzieren, und nicht durch ihre direkte Geschäftstätigkeit. Unter den südostasiatischen Banken, mit denen wir uns befasst haben, konnten wir erfreulicherweise einige positive Fortschritte bei der Integration von Abholzungskriterien feststellen, wie zum Beispiel die Maybank, die bei der Kreditvergabe nachhaltige Zertifizierungssysteme verlangt, oder die CIMB, die eine erweiterte Sorgfaltspflicht für Palmöl- und Forstwirtschaftskunden eingeführt hat.
 
Wir haben auch europäische und nordamerikanische Banken eingehend betrachtet, insbesondere die Umsetzung der Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures. Die Analyse und Offenlegung hat sich in den letzten Monaten beschleunigt, insbesondere in Europa, wo die Finanzaufsichtsbehörden ihre Erwartung deutlich gemacht haben, dass dies Teil der Risikomanagementpraktiken sein sollte.
 
Die Aktionärsresolution bei Barclays - die wir unterstützt haben - welche einen Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Brennstoffe forderte, veranlasste die Bank, als eine der ersten internationalen Banken ein Netto-Null-Ziel zu setzen. Andere sind gefolgt, obwohl sich die Branche in Bezug auf die Umsetzungspläne noch in einem relativ frühen Stadium befindet. Eines der Themen, das angegangen werden muss, ist die Integration des Klimawandels in alle Geschäftsbereiche, nicht nur in die Kreditvergabe.
 
Die Krisen des Jahres 2020 - die Pandemie, die wirtschaftlichen Turbulenzen und die sozialen Umwälzungen sowie der Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt - haben Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft zu einer Abwägung gezwungen. Insbesondere die Klimakrise hat den Handlungsbedarf in Bezug auf Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen in den Vorstandsetagen weltweit erhöht. Während wir durch die nächste Phase der Pandemie navigieren, werden wir uns bemühen, Unternehmen dabei zu helfen, die Herausforderung zu meistern, die Erholung von COVID-19 ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltig zu gestalten.
Vicki Bakhshi ist Director Responsible Investment Team bei BMO Global Asset Management, Details zum Responsible Investment von BMO gibt es hier.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

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