Fünf Überraschungen, die Zukunft für Investoren neu definieren

Evan Brown und Barry Gill, UBS Asset Management (UBS-AM)
Evan Brown / Bild: UBS Asset Management (UBS-AM)
  • Meldungen über hochwirksame Impfstoffe könnten zu einem Rückgang der in 2020 extremen Marktvolatilität und zu einer unerwartet schnellen Rückkehr zur Normalität führen.
  • Anleger sollten zudem die Notwendigkeit, die Wirtschaft bis zur Verfügbarkeit von Impfstoffen durch staatliche Konjunkturprogramme zu stützen, die Zunahme der Cyber-Kriminalität, das Verhältnis zwischen China und den Vereinigten Staaten sowie Risiken hinsichtlich der Marktführerschaft berücksichtigen.
  • Anleger sollten ihre Geldanlagen streuen, um renditestarke Vermögenswerte zu finden, die für stabile Erträge sorgen können. Infrastruktur dürfte einer der größten Gewinner parteiübergreifenderwirtschaftlicher Anreize sein.
Nach der Pandemie und der globalen Rezession hält das Jahr 2021 für Anleger Chancen und auch Risiken bereit, während sich Märkte und Sektoren ungleichmäßig erholen. Dies war eine Rezession wie keine andere mit Gewinnern und Verlierern, die die bestehenden Markttrends festigte,
Internetdisruptionen beschleunigte und die Disinflation in der Dienstleistungsindustrie verschärfte.
In unserem Ausblick wird Anlegern nahegelegt, auf der Suche nach Erträgen zu diversifizieren; denn es wird für Investoren fünf potenzielle Überraschungen an den Märkten geben, die ihre Zukunft umgestalten.

Unglaubliche Streuung der Aktienrenditen

Ohne Zweifel haben wir eine tiefgreifende Rezession und einen damit einhergehenden Bärenmarkt erlebt, von dem aber nicht alle Sektoren gleichermaßen betroffen waren und sind. Während viele Unternehmen ums Überleben kämpfen, ging es manchen Wirtschaftszweigen nie besser als heute, was zu einer unglaublichen Streuung von Aktienrenditen und Kreditspreads geführt hat. Und die Erholung am Aktienmarkt sollte uns alle daran erinnern, dass der Abzinsungssatz bei der Bewertung von Aktien eine ebenso große Rolle spielt wie die Unternehmensgewinne.

Globale Sichtweise notwendig

Für das Jahr 2021 erwarten wir, dass sich der Aufschwung fortsetzen und selbsttragender werden wird, während die neuesten Innovationen in der Medizin eine Normalisierung der Konjunktur im privaten Sektor ermöglichen. Allerdings werden Anleger wegen negativer Realzinssätze in den Industrieländern, die wahrscheinlich 2021 und darüber hinaus bestehen bleiben werden, größere Anstrengungen unternehmen müssen, um Rendite zu generieren.
 
Anlagechancen bei Multi-Asset-Hedgefonds und Alternativen Investments könnten in diesem durch langfristig niedrige Zinssätze geprägten Umfeld attraktiver werden. Infrastruktur dürfte zu den großen Nutznießern weltweiter Konjunkturpakete gehören, und im Universum börsengehandelter Wertpapiere müssen sich Anleger wegen der geringen Renditen auf Staatsanleihen aus Industrieländern eine eher globale Sichtweise aneignen. Unserer Ansicht nach macht dies auf US-Dollar lautende Schwellenländeranleihen, einschließlich chinesischer Staatsanleihen, besonders interessant.
 
Mit Blick auf das Jahr 2021 und darüber hinaus sehen wir fünf potenzielle Überraschungen für die Märkte. Die Covid-19-Pandemie hat uns alle erschüttert. Daher lohnt es sich für Anleger zu überlegen, welche Überraschungen das Jahr 2021 bereithalten könnte und was dies für ihre Anlageentscheidungen bedeutet.

Fünf Überraschungen für die Märkte in 2021:

  1. Zunehmende Cyber-Kriminalität: Das Virus und das damit einhergehende Herunterfahren der Wirtschaft haben zu erheblichen Veränderungen im Hinblick auf das Arbeiten im Home-Office geführt. Bestimmte Sektoren und Unternehmen sind dadurch möglicherweise anfälliger für Beeinträchtigungen durch Cyber-Angriffe geworden.
  2. 2021 wird aller Voraussicht nach das „Jahr der Impfstoffe“ werden: Hochwirksame und schnell verabreichte Impfstoffe würden wahrscheinlich eine unerwartet schnelle Rückkehr zur Normalität ermöglichen, während eine weiterhin äußerst akkommodierende Geldpolitik zu einer euphorischen Rally an den Aktienmärkten führen könnte.
  3. Stillstand in der Finanzpolitik: Trotz äußerst niedriger Zinssätze und der wirtschaftlichen Notwendigkeit bedeuten politischer Stillstand in den USA und eine geringere Bereitschaft zu fiskalpolitischen Maßnahmen in Europa, dass es in den Monaten bis zu Massenimpfungen gegen das Coronavirus keine Überbrückungshilfen geben wird. Die Folge könnte ein zweiter Abschwung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte sein.
  4. Monopol-Misere: Eine mögliche Veränderung des Steuerrechts und eine strengere Regulierung großer Technologie-Unternehmen könnten in Bezug auf die Marktführerschaft bedeutende Veränderungen zugunsten von Small-Cap-Unternehmen in Gang setzen.
  5. Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und China: Die neue Führungsspitze in den USA schafft die Voraussetzungen für eine Wiederannäherung an China. Dazu gehören der Abbau von Zöllen und Verlangsamung von Exportbeschränkungen im Technologiebereich. Weniger Unsicherheit und bessere Aussichten für den Handel bewirken eine größere Umschichtung von Geldern aus Vermögenswerten aus Industrieländern in solche
    aus Schwellenländern.
Barry Gill ist Head of Investments, Evan Brown ist Head of Multi-Asset Strategy bei UBS Asset Management