Neue Nachdenklichkeit

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Optimisten einmal mehr in der Überzahl: Die deutschen Aktienmärkte haben die vergangene Handelswoche erheblich fester beendet, dabei allerdings wie derzeit gewohnt merklich geschwankt. Vor allem starke US-Konjunkturzahlen – zuerst zum Immobilienmarkt, dann die Arbeitsmarktdaten – waren es, die die Waagschale an den Märkten dieses Mal hin zu „Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung nach dem Corona-Einbruch“ geneigt hatten. Die Sorgen vor einer zweiten Corona-Infektionswelle in großen Industriestaaten wurden zwar nicht ausgeräumt und konnten dies angesichts steigender Infiziertenzahlen vor allen in den USA auch nicht werden, traten aber in der vergangenen Handelswoche in den Hintergrund.

Deutsche Indizes mit Zugewinnen

Der Deutsche Aktienindex (Dax) verbesserte sich im Wochenvergleich um 3,6 Prozent auf 12.528,18 Punkte. Die Titel von Wirecard erlebten extreme Gewinne und erhebliche Verluste und sind nach Meinung von Beobachtern derzeit vor allem Spielball von Spekulanten – hier liefe aktuell alles zwischen Zocken und Eindecken nach Leerverkäufen, heißt es. Der MDax gewann im Wochenvergleich 3,8 Prozent auf 26.600,49 Zähler. Der Indexwert TeamViewer verzeichnete als einer der Gewinner der Corona-Krise in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch, zudem ging es für Varta deutlich nach oben. Der Batteriehersteller profitierte von der Nachricht über eine staatliche 300-Millionen-Euro-Förderung zum Aufbau einer Batteriezellenfertigung. Der TecDax, in dem die beiden vorgenannten Titel ebenfalls enthalten sind, legte im Wochenvergleich um 3,1 Prozent auf 3.003,45 Punkte zu. Der m:access All-Share rückte um 1,1 Prozent auf 2.660,12 Zähler vor, hatte in der Vorwoche allerdings auch deutlich weniger eingebüßt als andere Indizes.

Anleihen: Gute Stimmung belastet

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche bei streckenweise recht ruhigem Handel nachgegeben. Hier belastete die bessere Stimmung an den Aktienmärkten, die zu einer höheren Risikobereitschaft der Anleger führte – was sich negativ auf die Notierungen der als sicher geltenden Bundespapiere auswirkte. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe legte von -0,48 auf -0,44 Prozent zu. Die Umlaufrendite rückte von -0,49 auf -0,46 Prozent vor.

US-Märkte legten stark zu

Die US-Aktienbörsen haben bis Donnerstag vergangener Woche stark zugelegt, am Freitag wurde im Vorfeld des Nationalfeiertags 4. Juli nicht gehandelt. Der Dow-Jones-Index stieg im Vergleich zum Freitag davor um 3,2 Prozent auf 25.827,36 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index kletterte um 4,0 Prozent auf 3.130,01 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index sprang sogar um 5,0 Prozent auf 10.341,89 Punkte und verzeichnete am vergangenen Freitag im Handelsverlauf ein neues Rekordhoch.

Ausblick: Im Banne des Virus

Beim Blick auf die aktuelle Woche an den deutschen Aktienbörsen unterscheiden sich die Analystenprognosen nur wenig von denen der Vorwochen, die Zeiten stehen weiterhin im Zeichen von Corona. Unverändert wird die Marktentwicklung davon abhängen, ob sich ein optimistischer oder ein pessimistischer Blick auf die aktuelle Lage durchsetzen wird. Hier dürfte wiederum einmal mehr die Virus-Nachrichtenlage bestimmen, in welche Richtung es geht. Die neuen Infektionszahlen könnten dabei mit aktuellen Wirtschaftszahlen „aufgerechnet“ werden, wobei letztere in den kommenden Tagen eher Mangelware sind, zumindest was hochkarätige Veröffentlichungen betrifft. Daneben richten sich die Hoffnungen vieler Marktteilnehmer zunehmend auf Nachrichten zu eventuellen Fortschritten bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Virus.

Extrem hohe Liquidität sorgt für Auftrieb

Weiterhin Auftrieb bringt die extrem hohe, auch dem breiten Bündel an Hilfsmaßnahmen geschuldete Liquidität an den Märkten. Auf der anderen Seite steigt bei einigen Analysten die Skepsis angesichts der Erholungsrally nach dem Corona-Crash. Die Kursentwicklung sei der tatsächlichen Erholung der Wirtschaft in einem Maße davongeeilt, die nachdenklich mache, heißt es. Insofern rechnen einige skeptischer gestimmte Beobachter mit der Möglichkeit deutlicher Rückschläge. Hierzu trage auch der Umstand bei, dass andere Risikofaktoren für die Märkte wie die Handelskonflikte der USA oder der Brexit zuletzt weitgehend in den Hintergrund getreten waren, aber unverändert bestünden.

Zu den wichtigsten Wirtschaftsdaten, die in den kommenden Tagen anstehen, zählen die Werksaufträge und die Industrieproduktion in Deutschland, Einkaufsmanagerindizes aus den USA und internationale Inflationsdaten.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag. 06.07.: Werksaufträge in Deutschland; Einzelhandelsumsätze in der Eurozone; ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe in den USA; Markit PMI Gesamtindex (USA)
Dienstag, 07.07.: Industrieproduktion in Deutschland
Mittwoch, 08.07.: Prognose der Europäischen Kommission zum Wirtschaftswachstum; Verbraucherkredite in den USA; Hypothekenanträge in den USA
Donnerstag, 09.07.: Handelsbilanz Deutschlands; Großhandelsinventare in den USA; Verbraucherpreise in China
Freitag, 10.07.: Erzeugerpreise in den USA

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

DB TecDAX 3.036,25 1,09%
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Populäre Aktien

Wirecard I 2,3305 -28,41%
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Populäre Aktien

DB MDAX 27.039,00 1,65%
DB DAX 12.731,50 1,62%
Varta 106,60 1,23%
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Populäre Aktien

TeamViewer I 51,76 0,90%
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Populäre Aktien

m:access All-Share Index GTR 2.834,09 0,43%
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Tops und Flops

DB Dow Jones 26.244,00 1,89%
DB S&P 500 3.176,00 1,61%