Besser mit doppeltem Boden investieren

Morgane Delledonne, Global X
Morgane Delledonne / Bild: Global X
Noch immer prägt eine gewisse Unsicherheit die Kapitalmärkte. Die große Frage bleibt: „Wann beginnt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit Zinssenkungen?“. Viele Marktteilnehmer rechnen mit einem aggressiveren Zinssenkungszyklus, als ihn die Fed selbst bisher andeutet.
 
Die jüngsten Zentralbanksitzungen haben gezeigt, dass sich die Situation der Fed und der Bank of England (BoE) im Vergleich zur Europäischen Zentralbank (EZB) unterscheidet. Wir halten es für möglich, dass die EZB die Zinssätze vor der Fed und der BoE senkt, da sich die wirtschaftliche Lage in einigen europäischen Volkswirtschaften deutlicher verschlechtert hat – zum Beispiel in Deutschland.
 
In einem solch herausfordernden Umfeld für Anleger sehen wir Investmentchancen in Income-Strategien und solchen mit definierten Ergebnissen (Defined-Outcome Strategies). Gerade in Zeiten potenziell volatilerer Märkte könnten diese Ansätze die Portfolios bereichern.
 
Einkommensbasierte Strategien bieten in unruhigen Märkten ein gewisses Aufwärtspotenzial. Gleichzeitig können sie laufende Erträge generieren. Mithilfe von Defined-Outcome- oder auch Buber-Strategien, können Anleger in einem gewissen Maße an steigenden Aktienmärkten teilhaben. Dafür lassen sich umgekehrt die Abwärtsrisiken begrenzen.

Märkte im Einklang mit der Notenbank

Bessere wirtschaftliche Aussichten deuten darauf hin, dass sich die Marktteilnehmer schließlich wieder an den Zinsausblick der Zentralbanken anpassen. Mit Blick auf die US-Wirtschaft zeigt sich ein Aufschwung im vierten Quartal 2023 – und zwar stärker als erwartet. Die Arbeitslosigkeit bleibt auf einem Rekordtief. Das nimmt der Fed den Druck, übereilt zu handeln.
 
Die BoE zeigte sich auf ihrer Sitzung im Februar überraschend restriktiv. Das führte dazu, dass das Pfund Sterling den Großteil seines Verlustes gegenüber dem US-Dollar im Vorfeld der Sitzung wieder wettmachte. Die Renditekurve britischer Staatsanleihen spiegelt die besseren Wirtschaftsaussichten der BoE wider.
 
In Kontinentaleuropa schlägt EZB-Chefin Christine Lagarde ebenfalls einen restriktiveren Ton an. Die robuste Konjunktur und das niedrige Niveau der Realzinsen schränken den Handlungsspielraum der EZB ein, zumindest im ersten Halbjahr. Ausgehend von ihrer jüngsten Erklärung scheinen die Währungshüter mit dem derzeitigen Zinsniveau zufrieden zu sein, solange sich der Trend der sinkenden Inflation in diesem Tempo fortsetzt und die wirtschaftlichen Bedingungen stabil bleiben. Allerdings könnten die gemischten Konjunkturdaten in Europa den Beginn der Diskussionen über eine Zinssenkung auf die nächste EZB-Sitzung vorverlegen.

Rein ins Risiko, raus aus dem Risiko – und zurück

Seit Anfang des Jahres wechseln die Märkte zwischen „risk-ob“ und „risk-on“ hin und her. Drei
Hauptrisikofaktoren sind die Ursache dafür:
  1. Die restriktive Haltung der Zentralbanken gegenüber dem Optimismus der Märkte in Bezug auf Zinssenkungen.
  2. Enttäuschende US-Gewinnmeldungen aus dem Bereich Big Tech, einschließlich schwacher Prognosen für Aktivitäten im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI).
  3. Bedenken hinsichtlich der finanziellen Stabilität des Bankensektors aufgrund enttäuschender Gewinnmeldungen beispielsweise der New York Community Bancorp in den Vereinigten Staaten und BNP Paribas sowie ING in Europa.

Sollten angesichts der weiterhin umgekehrten Renditekurve weitere Bedenken aufkommen, wird die Volatilität wahrscheinlich zunehmen. Die Renditen der 2- bis 7-jährigen US-Schatzanleihen sind nach den hawkischen Äußerungen der Fed am 31. Januar gestiegen. Daher sind das mittlere und lange Ende der Renditekurve anfälliger für Ausverkäufe, da die Zinserwartungen des Marktes beginnen, sich an die der Fed anzupassen.

Das Abwarten der Fed mit Zinssenkungen kann zu kurzfristiger Volatilität führen und dazu, dass Barmittel an der Seitenlinie bleiben. Stattdessen kann man ein Engagement im oberen Bereich der Renditekurve von US-Staatsanleihen in Erwägung ziehen und gleichzeitig seine Aktienstrategien neu bewerten. Sehr kurz laufende Papiere mit einem Kredit-, Durations- oder Liquiditätsrisiko von nahezu Null können eine verlockende defensive taktische Allokation darstellen.

Abwärtsschutz im Vordergrund

In Vorbereitung auf niedrigere Zinssätze in der zweiten Jahreshälfte könnten Covered-Call-Strategien eine attraktive Möglichkeit sein, um im Vergleich zu Barmitteln eine relativ attraktive Rendite zu erzielen und gleichzeitig ein Beta-Engagement aufzubauen.
 
Covered-Call-Strategien auf den Nasdaq 100 Index geben Anlegern die Möglichkeit, ein Engagement in Large-Cap-Technologietiteln aufrechtzuerhalten, die hoch bewertet und daher anfälliger für Marktkorrekturen sind – insbesondere, wenn sich die Markterwartungen in Bezug auf Zinssenkungen wieder in Richtung der Fed-Prognosen verschieben.
 
Alternativ bieten ergebnisorientierte oder Optionsstrategien, sogenannte Buber-Strategien, ein Engagement im breiten Aktienmarkt – beispielsweise dem S&P 500 Index. Dabei können Anleger in bestimmtem Maße an einer möglichen Aufwärtsbewegung teilhaben. Im Gegenzug ist eine gewisse Abwärtssicherheit festgelegt. Angesichts der unsicheren Wirtschaftsaussichten und der unklaren Entwicklung der Zinssätze kann das Aufwärtspotenzial für den breiteren Aktienmarkt begrenzt sein, während nicht unerhebliche Abwärtsrisiken bestehen. In diesem Szenario könnten Puberstrategien eine interessante Option sein.
Morgane Delledonne ist Head of Investment Strategy für Europa bei GlobalX, einem 2008 gegründeten Finanzdienstleister, der Anlegern unerforschte und intelligente Lösungen bietet. Die Produktpalette umfasst mehr als 80 ETF-Strategien und ein verwaltetes Vermögen von über 40 Milliarden US-Dollar. Global X gehört zur Mirae Asset Financial Group, einem weltweit führenden Anbieter von Finanzdienstleistungen mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 620 Milliarden US-Dollar.

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