Die Notenbanken warten weiter ab

Mark Dowding, BlueBay, RBC BlueBay Asset Management
Mark Dowding / Bild: BlueBay, RBC BlueBay Asset Management
Die Renditen von Staatsanleihen bewegten sich in der vergangenen Woche seitwärts. Ungeachtet der Zentralbanksitzungen war es eine ruhige Woche. Das vorherrschende Thema an den Märkten ist nach wie vor die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft. Der Aktienindex S&P 500 erreichte trotz hoher Zinsen, geopolitischer Unsicherheiten und von China ausgehender globaler Wachstumssorgen ein neues Rekordhoch.
 
Vor der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank Federal Reserve in der kommenden Woche lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und die aktuell zur Verfügung stehenden Daten zu bewerten. Die Inflation ist auf einem guten Weg, aber die Unsicherheit bleibt groß. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung liegen unter 200.000. Das deutet auf eine geringe unmittelbare Belastung des Arbeitsmarktes hin. Die Finanzbedingungen haben sich zuletzt gelockert.
 
Insgesamt bedeutet eine robuste Wirtschaft in Verbindung mit günstigen Disinflationstendenzen aus unserer Sicht, dass der FOMC geduldig sein und mit der geldpolitischen Lockerung abwarten kann.

Geduldig bleiben

Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ ihre Geldpolitik unverändert und entschied sich dafür, zunächst die Inflations- und Lohnentwicklung im ersten Quartal abzuwarten. Wir denken, dass die Inflationsprognosen für 2025 bei oder unter 2 Prozent liegen müssten, um den Rat von der Notwendigkeit einer geldpolitischen Anpassung zu überzeugen. Das liegt deutlich unter den aktuellen EZB-Erwartungen.
 
Ähnlich wie die EZB hat die Bank of Japan (BoJ) ihre Geldpolitik wie erwartet beibehalten. Es gab aber ein paar bemerkenswerte Aspekte im Ausblick und bei der Pressekonferenz. Die Prognosen für die Kerninflationsrate in den Jahren 2024 und 2025 wurden bei 1,9 Prozent belassen. Die Aufnahme des neuen Satzes ‚die Wahrscheinlichkeit, dass das Preisstabilitätsziel erreicht wird, ist weiter allmählich gestiegen‘ lässt unserer Meinung nach aber hoffen, dass die Erwartungen im April auf 2 Prozent angehoben werden könnten. Das würde die Voraussetzungen für eine spätere Anhebung der Leitzinsen schaffen. BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda äußerte sich außerdem dahingehend, dass es Anzeichen für höhere Lohnsteigerungen bei den bevorstehenden Tarifverhandlungen im Frühjahr gebe. Wir bleiben geduldig und sind überzeugt, dass die Renditen in Japan weiter steigen werden.

Höhere Inflation in Großbritannien

Im Vereinigten Königreich war zu beobachten, dass sich die Probleme bei der Containerschifffahrt im Roten Meer auf die Kosten der Unternehmen und die Geschäftsaussichten auswirken. Im jüngsten Einkaufsmanagerindex wurde festgestellt, dass die Lieferunterbrechungen zu längeren Lieferzeiten geführt und die Produktionskosten in die Höhe getrieben haben – und das zu einer Zeit, in der der Preisdruck im Dienstleistungssektor nach wie vor hoch ist. Wir sind weiterhin der Ansicht, dass die Inflation in Großbritannien volatil und strukturell höher bleiben wird.“
Mark Dowding ist Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management
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