Erwartungen an COP 28 und Ausblick auf Erneuerbare macht Hoffnung

Ingrid Kukuljan und Leon Kamhi, Federated Hermes Limited
Ingrid Kukuljan und Leon Kamhi / Bild: Federated Hermes Limited

Ohne gerechten Übergang wird es keinen Übergang geben – Erwartungen an COP 28

Für die COP28 habe ich die große Hoffnung, dass Regierungen, marktführende Unternehmen und Finanzinstitute umsetzbare Verpflichtungen zur Investition in einen gerechten Übergang eingehen werden. Wenn zunehmende Lücken zwischen Versprechen und Handeln klaffen, werden die wirtschaftlichen Verluste durch den Klimawandel in die Höhe getrieben. Unvermeidliche Veränderungen werden dadurch noch schmerzhafter.

Investitionen allein reichen allerdings nicht: Verbraucher und Bürger in aller Welt müssen den Weg mitgehen. Doch ohne Zugang zu erschwinglichen Lebensmitteln und Energie sowie zu einkommensbildenden und interessanten Berufen werden sie sich schlichtweg nicht auf unsere Ziele einlassen.

Ein „gerechter Übergang“ wird verschiedene Formen annehmen. Die erste Form ist ein verändertes Verhalten zwischen Ländern. Der globale Süden wird Unterstützung durch den globalen Norden zur Finanzierung der erforderlichen Investitionen erwarten. Wir gehen davon aus, dass sich dies in einer zunehmenden Nutzung des Loss and Damage Fund sowie mehr Just Energy Transition Partnerships äußern wird. Es wird notwendig sein, multilaterale Vereinbarungen darüber zu treffen, wie ärmere Länder für noch unerschlossene Vorkommen fossiler Energieträger entschädigt werden.

Zweitens spielt die Verfügbarkeit von Nahrung und Energie eine wesentliche Rolle im Leben der Ärmsten unserer Gesellschaft. Deshalb müssen politische Entscheidungsträger erwägen, wie sie diese Bedarfsgüter durch progressive Subventionen, die möglicherweise durch eine Steuer auf CO2-Emissionen finanziert werden, verfügbar machen. Zudem wird es notwendig sein, Verbraucherinnen und Verbraucher darüber aufzuklären, wie sie Lebensmittelverschwendung vermeiden, Energie einsparen und ihr Konsumverhalten anpassen, um einen gerechten Übergang möglich zu machen.

Drittens werden Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit sich dank des gerechten Übergangs unvermeidlich verändern wird, ihre Mitarbeitenden umschulen müssen. Auch die Zahlung existenzsichernder Löhne und zumutbare Arbeitszeiten werden wichtig sein. Bestimmte Industrien könnten in anderer Weise vom gerechten Übergang profitieren. Retail-Banken etwa können Wohnhypotheken anbieten, die die Kosten für Solaranlagen, Wärmepumpen oder Dämmung decken.

Schließlich sollte die Investmentbranche ihre Anleger durch sinnvolle Stewardship zur Unterstützung des gerechten Übergangs ermuntern. Die Industrie sollte weiter Direktinvestitionen in Primärmärkte tätigen, die positive soziale oder ökologische Auswirkungen haben, beispielsweise in puncto Aufforstung, regenerative Landwirtschaft, Bildung und so weiter.

Ohne „gerechten“ Übergang wird es keinen Übergang geben.
Leon Kamhi

Vielversprechender Ausblick auf den Erneuerbare Energien-Sektor 2024

In den vergangenen zwölf Monaten war die Einschätzung des Sektors für erneuerbare Energien übermäßig negativ. Dahinter steckt die Auffassung, dass Projekte in diesem Bereich aufgrund höherer Kapitalkosten keine attraktiven Renditen mehr bieten. Zudem herrscht die Ansicht, dass die Zinsen länger hoch bleiben werden und dass aufgrund des Inflationsdrucks die Baukosten zu hoch seien. Noch weiter gedrückt wurde die negative Stimmung durch die Ankündigung des dänischen Windparkbetreibers Orsted, aufgrund steigender Kosten und höherer Zinsen zwei Anlagenprojekte in den USA einzustellen und eine Wertberichtigung von vier Milliarden US-Dollar vorzunehmen. Kurz darauf gab BP unter Angabe vergleichbarer Gründe bekannt, ebenfalls zwei Offshore-Projekte in den USA mit einem Gesamtvolumen von 540 Millionen US-Dollar einzustellen. Zudem warf das Unternehmen Regierungen vor, mit dem schnellen Wachstum des Sektors nicht Schritt zu halten.

Allerdings sollten wir durch diese kurzfristigen Rückschläge nicht die Themen aus den Augen verlieren, mit denen wir uns befassen müssen, um nachhaltige Lebensbedingungen auf unserem Planeten sicherzustellen. Wir müssen uns mit der Realität abfinden, dass wir die Pariser Klimaziele wahrscheinlich nicht einhalten werden. Um allerdings auch nur in die Nähe des 1,5-Grad-Ziels zu kommen, müssen wir die Ausgaben für saubere und erneuerbare Energien deutlich aufstocken.

Die Energiewende befindet sich noch in der Frühphase, und der Bedarf an erneuerbaren Energien bleibt hoch, da sie weniger als 30 Prozent der gesamten globalen Stromerzeugung ausmachen. Der Weg zu erneuerbaren Energien ist keine Kür, sondern Pflicht. Und das bedeutet, dass der Sektor trotz kurzfristigen Gegenwinds langfristig wachsen wird. Unterstützt wird dies durch vorteilhafte regulatorische Entwicklungen wie den Green Deal der EU und das Inflationssenkungsgesetz (IRA) in den USA. Aus diesem Grund betrachten wir erneuerbare Energien als eine der attraktivsten langfristigen Anlagemöglichkeiten.

Der Ausblick auf 2024 sieht für erneuerbare Energien vielversprechend aus, da die Welt als Reaktion auf Umweltprobleme nachhaltigen Lösungen weiter Priorität einräumt. Insbesondere in der Solarenergie sind deutliche Fortschritte zu beobachten, denn innovative Photovoltaik-Technologien werden Solarpanels effizienter und günstiger machen. Auch in der Windenergie vollzieht sich mit der Entwicklung effizienterer Windräder ein Wandel. Wir hoffen, nach der COP28 weitere Regierungsvorhaben und Anreize zu sehen und gehen für 2024 von einem wachsenden weltweiten Commitment für saubere Energie aus, da die Nationen sich voraussichtlich ambitionierte Ziele in Sachen erneuerbare Energien und CO2-Reduktion setzen werden.
Ingrid Kukuljan
Leon Kamhi ist Head of Responsibility und Ingrid Kukuljan, Head of Impact Investing, bei Federated Hermes Limited

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