UK-Dividende: very british

Werner W. Rehmet, MyDividends und AnlegerPlus
Werner W. Rehmet, / Bild: MyDividends
Für Dividendenjäger lohnt sich immer auch ein Blick auf britische Aktien. Denn Dividendenausschüttungen besitzen bei Firmen aus Großbritannien traditionell einen hohen Stellenwert, very british eben.
 
Die britische Wirtschaft zeigt sich aktuell in einer schwierigen Verfassung. Anders als Deutschland hat es Großbritannien aber geschafft, die Rezession zu vermeiden. Im zweiten Quartal 2023 konnte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent zulegen und damit die Erwartungen übertreffen.

Wirtschaft hinkt hinterher

Das wiederum versetzte der Hoffnung des Marktes einen Dämpfer, die britische Notenbank könnte ihre straffe Geldpolitik etwas lockern. Großbritannien weist eine der höchsten Inflationsraten (7,9 Prozent im Juli) unter den großen Industrienationen auf. Das Ziel der Notenbank liegt wie das der EZB aber bei 2,0 Prozent.
 
Anfang August 2023 hatte die Bank of England den Leitzins auf das höchste Niveau seit 15 Jahren angehoben. Der Anstieg auf 5,25 Prozent bedeutete die 14. Anhebung in Folge. Und das, obwohl die britische Wirtschaft anderen Ländern konjunkturell hinterherhinkt. Das britische BIP liegt immer noch um 0,2 Prozent unter dem vor der Pandemie erreichten Niveau.

Königliche Dividendenmoral

Die Börse zeigt sich aber vergleichsweise robust. Der Leitindex FTSE 100 hatte im Februar 2023 mit knapp über 8.000 Punkten ein neues Allzeithoch erreicht. Allerdings ist die Performance des Kursindex seither schwächer als beispielsweise die des DAX (Kursindex) oder des S&P 500.
Dafür sind aber die Dividenden üppig. Traditionell zählen britische Unternehmen neben US-Firmen zu den solidesten Dividendenzahlern. Unter den 100 Werten aus dem Leitindex gibt es nur wenige „Nicht-Zahler“. Positiv hervorzuheben ist außerdem die halbjährliche Zahlungsweise, über die britische Firmen die Dividende an die Aktionäre auskehren.
 
Ein weiterer Pluspunkt aus deutscher Anlegersicht: Im Gegensatz zu vielen Ländern wie Frankreich, Schweiz oder Österreich fällt derzeit keine Quellensteuer auf britische Dividendenzahlungen an.

Risiken beachten

Als Dividendenjäger sollte man allerdings ins Detail gehen und beachten, dass im FTSE 100 insbesondere Öl- und Rohstoffkonzerne stark gewichtet sind. Diese Firmen unterliegen aber zyklischen Schwankungen. Tabakwerte wie BAT und Imperial Brands weisen ebenfalls eine hohe Dividendenrendite auf. Hier muss man weniger konjunkturelle Gesichtspunkte, dafür aber die politischen Diskussionen im Auge behalten.
 
Telekomwerte gehören traditionell zu den Top-Dividendenzahlern. Vodafone ragt im Leitindex hinsichtlich der Dividendenrendite heraus. Der negative Kursverlauf der Vodafone-Aktie in den letzten fünf Jahren lässt aber Zweifel aufkommen, ob die hohe Dividende gehalten werden kann. Versicherungen sowie Einzelhandelsfirmen geizen ebenfalls nicht mit Ausschüttungen. Und Bankkonzerne erleben derzeit wieder ein Comeback.
 
Bei aller Dividendeneuphorie: Aktionäre, die in britische Werte investieren, sollten das Währungsrisiko immer im Kalkül behalten und auch die Tatsache, dass der Brexit möglicherweise konjunkturell noch nicht ganz verdaut ist. Wer sich dieser Risiken bewusst ist, für den bietet der britische Aktienmarkt einige Interessante Aktien, z. B. die Shell-Aktie.

Dividendenschock überwunden

Der Öl- und Gaskonzern Shell gab Ende Juli eine Dividendenanhebung um 15 Prozent bekannt. Europas größter Ölkonzern schüttet auf das Jahr hochgerechnet aktuell 1,324 US-Dollar (ca. 1,20 Euro) an die Aktionäre aus. Shell war immer ein guter Dividendenzahler. Allerdings musste das Management im ersten Quartal 2020 aufgrund des Ölpreisverfalls eine Kürzung der Dividende je Aktie um 66 Prozent auf 0,16 US-Dollar vierteljährlich vornehmen. Dies war die erste Kürzung seit dem Jahr 1945. Inzwischen kam es wieder zu insgesamt sechs Anhebungen.
 
Shell meldete am 27. Juli einen Gewinn von 3,13 Mrd. US-Dollar für das zweite Quartal 2023 nach einem Gewinn von 18,04 Mrd. US-Dollar im Jahr zuvor. Der Gewinn auf bereinigter Basis lag bei 5,07 Mrd. US-Dollar (Vj. 11,47 Mrd. US-Dollar). Der Umsatz betrug im zweiten Quartal 76,02 Mrd. US-Dollar nach 103,08 Mrd. US-Dollar in Q2 2022.

Außerdem noch interessant sind u. a. die Großbank HSBC Holdings, die einen Großteil ihres Geschäfts in Asien macht, der britische Pharmakonzern GSK plc (früher GlaxoSmithKline) der sich auf die Herstellung von Arzneimitteln und Impfstoffen fokussiert und der britische Telekomkonzern BT Group. Ausführlichere Infos auch zu diesen Werten finden Sie in der aktuellen Ausgabe von AnlegerPlus.
Dieser Text ist zuerst bei www.anlegerplus.de erschienen
Werner W. Rehmet ist der Gründer und Herausgeber von MyDividends und Autor von AnlegerPlus. Das Magazin für Kapitalanleger. Nach seinem wirtschaftswissenschaftlichen Studium durchlief er mehrere Stationen bei renommierten Bankhäusern. In langjährigen Aufenthalten an der Wall Street und an wichtigen Finanzzentren wie Zürich setzte er sich intensiv mit verschiedenen Börsenthemen auseinander.
Hinweis: Werner W. Rehmet kann Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen halten und somit kann ein möglicher Interessenskonflikt bestehen.

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