Der Fall SVB: Liquiditätsindikatoren zeigten und zeigen Gefahr

Benjamin Bente, Vates Invest GmbH
Benjamin Bente / Bild: Vates Invest GmbH
Die US-Tech-Bank SVB ist endgültig pleite und wird abgewickelt. Das übernehmen in schöner Eintracht die US-Einlagensicherung und die Fed. Die Märkte feiern das als Lösung des Problems. Doch das ist es nicht. Noch immer zeigen die Liquiditätsindikatoren Schwäche und das hat immer wieder in der Geschichte auch zu Ausfällen und großen Krisen geführt.
Der SVB-Bailout ist da. Die US-Notenbank in Kombination mit der US-Einlagensicherung übernehmen faktisch eine Garantie für die Guthaben bei SVB und wollen die Ansteckung anderer Banken verhindern. Dass das aus Sicht der Märkte jetzt unmittelbar die Lösung des akuten SVB-Problems darstellen könnte, ist durchaus realistisch. Die Frage ist, ob es grundsätzlich das Problem löst und da sind erhebliche Zweifel angebracht. Anders als 2008 drohen weitere Bankruns. Die Ansteckung geschieht also nicht zwischen den Banken innerhalb des Finanzsystems, sondern durch aufgeschreckte Einleger, die ihre Guthaben abfordern. Das war gerade auch bei der Signature Bank der Fall, die im Schatten der SVB gleich mit abgeschirmt wurde.
 
Dies als Einzelfall abzutun, wie es viele an den Märkten nun sehen wollen, ist gefährlich. Die SVB ist kein Einzelfall, weil das grundlegende Problem weiterhin existiert. Das besteht darin, dass der Restriktivitätsschock der Fed zu massiven Problemen in all den Geschäftsmodellen führt, die auf starken Hebel gesetzt haben. So gibt es auch in vielen anderen Bilanzen massenhaft Buchverluste oder kann es zu weiteren Ausfällen kommen. Ob SVB der letzte Fall seiner Art ist und ob es dann immer so gut gelingt, dass die Fed das so schnell eindämmt, dass es nicht vorher zu größeren Fallouts und noch größeren Abwärtsbewegungen an den Aktienmärkten kommt, ist unwahrscheinlich.

Liquiditätsindikatoren deuteten die Pleite an

Interessant ist der Zeitpunkt, an dem die SVB hochging: Die Pleite kam wieder in einer Phase, in der die Liquiditätsindikatoren Gefahren gemessen haben. Bereits im Februar war sichtbar, dass sich die Liquiditätsindikatoren verschlechtern. Und zwar sogar stärker, als der S&P mit seiner doch moderaten Konsolidierung Glauben machte. Genau in einer solchen Situation kommt es zu einem Knall irgendwo im Finanzsystem. Das ist ein Zusammenhang, der immer wieder zu beobachten ist: Sei es bei den großen Finanzkrisen 1998/LTCM oder 2008 bei Lehman und Co. Aber es ist auch im Kleinen zu sehen, zum Beispiel als im vergangenen Jahr in der Kryptowelt Terra Luna explodierte.
 
Wir können nicht vorhersehen, wo, in welchem Teil des Finanzsystems wann genau wer in Schieflage gerät. Was wir aber immer wieder feststellen, ist, dass diese Schieflagen in Phasen passieren, in denen Liquiditätsprobleme im Markt als Ganzes gemessen werden. Das macht auch sehr viel Sinn, da Ausfälle wie SVB oder generell finanzkrisenartige Schieflagen im Finanzsystem kumulative Bedingungen aus zwei Teilbedingungen brauchen, damit sie eintreten.

SVB nicht der letzte Fall

1. Es muss irgendwo ein Problem geben in irgendeinem Unternehmen. Das wissen weder wir noch die Märkte, das lässt sich nicht vorhersehen. Doch dieses Problem bei SVB hat auch vor vier und sogar vor acht Wochen schon existiert. Doch warum geht SVB genau jetzt Pleite?
Weil jetzt die 2. Kumulativbedingung vorliegt: Die Liquidität ist knapp geworden, es gibt Probleme in der Liquiditätsversorgung und dann fällt das schwächste Glied. Solche Finanzkrisen zu umschiffen, gelang uns eigentlich immer gut. Dafür braucht man gar nicht zu wissen, wo genau das Problem liegt. Es reicht, Bedingung 2 zu kennen – jetzt wird Liquidität knapp – und wenn man sich in diesen Phasen aus den Märkten zurückhält, dann umschifft man automatisch relativ zuverlässig immer wieder die großen Finanzkrisen.
 
Auch wenn nicht jedes Mal in einer restriktiven Phase eine große Krise kommt, fallen doch die großen Finanzpleiten immer wieder in diese Phasen. Deswegen war es für uns kein Wunder, dass das jetzt passiert ist. Die grundsätzlichen Probleme in der Liquiditätsversorgung haben sich noch nicht verändert, der Restriktivitätszyklus hält an und deswegen erscheint es doch unwahrscheinlich, dass SVB der letzte Fall gewesen sein soll.
Benjamin Bente ist Geschäftsführer & Leiter Portfoliomanagement bei Vates Invest GmbH. Der
Diplom Kaufmann der Universität Mannheim ist nach Stationen bei der UBS Deutschland AG, der Bank Julius Bär (Europe) AG einer der Gründer der Vates Invest GmbH, die auf börsentägliche quantitative Analysen des monetären, konjunkturellen und sentimenttechnischen Umfelds spezialisiert ist. Bente ist Mitglied des Investmentkomitee der FOCAM AG.

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