Auf geht's - Unterhaching spielt jetzt auch an der Börse mit

Ulrich Kirstein
Manfred Schwabl läutet in der Börse München den IPO von Unterhaching ein/Bild: BBAG
Am 30. Juli startete die Aktie der Spielvereinigung Unterhaching in den Handel an der Börse München im Mittelstandssegment m:access. Ein Börsengang ist immer etwas ganz Besonderes. Aber in diesem Fall war es nach 19 Jahren der zweite Börsengang einer Fußballaktie in Deutschland: Neben Unterhaching ist nur Borussia Dortmund börsennotiert. Mit Spannung wurde deshalb der erste Kurs für den Drittligisten erwartet.
 
Während der zweiwöchigen Zeichnungsfrist an der Börse München war die Aktie für 8,10 Euro angeboten worden, der erste Kurs lag mit 8,30 Euro darüber. Doch nicht genug damit, im Laufe des Tages kletterte der Kurs noch auf über 11 Euro und überholte damit den Verein aus Westfalen deutlich. Am zweiten Handelstag stiegt der Kurs weiter auf fast 15 Euro, und das bei durchaus beachtlichen Handelsumsätzen. Würde noch in der ersten Woche der Einbruch kommen? Nicht wirklich, eher eine Art von Normalisierung, am Ende der Woche pendelte die Aktie um die 11 Euro. Alles in allem also ein erfolgreicher Börsengang - nun kommt es darauf an, dass die Spielvereinigung auch auf dem Rasen hält, was sie auf dem Parkett verspricht.
Die Mannschaft von links nach rechts: Matthias Faulhaber, Katrin Keller, Ulrich Kirstein, Dr. Rainer Wienke, Dr. Marc Feiler, alle Börse München; Jörg Flechtner und Claus Lemke, Portfolio Control, Manfred Schwabl von der SpVgg Unterhaching, Andreas Schmidt, Börse München und Ivan Gobber, Portfolio Control.

Breite Streuung angestrebt

Die SpVgg Unterhaching spielt in der 3. Liga, die sportlich nicht sehr weit entfernt von der 2. Bundesliga ist, wie schon Traditionsvereine wie der 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig, 1860 München oder der MSV Duisburg beweisen. Allerdings werden die dort spielenden Vereine vom DFB über Fernsehgelder wesentlich schlechter gestellt - in der 2. Bundesliga erhalten Vereine im Schnitt das Zehnfache an TV-Geldern. Da Unterhaching sich nicht von einem einzigen Investor abhängig machen wollte, blieb konsequenter Weise nur der Weg an die Börse. 
 
"Wir haben die Möglichkeit eines Börsengangs intensiv geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass ein schuldenfreier und ambitionierter Fußballclub mit einer vom DFB ausgezeichneten Nachwuchsförderung ein interessantes Investment darstellt", meinte Manfred Schwabl, Geschäftsführer der SpVgg Unterhaching im Vorfeld des IPOs. Und nach dem gelungenen Börsengang fügte er hinzu: "Unser Ziel, die Aktie der Spielvereinigung Unterhaching möglichst breit zu streuen, haben wir mit dem Börsengang voll und ganz erreicht. Wir sind sehr zuversichtlich, in den nächsten Monaten auch noch die restlichen Aktien aus unserer Kapitalerhöhung vollständig zu platzieren. Aber schon jetzt haben wir ein positives Eigenkapital, sind schuldenfrei und können aus einer gesicherten Position heraus agieren. Damit können wir uns nun voll auf unser Ziel, den mittelfristigen Aufstieg in die 2. Bundesliga, fokussieren".
Der Medienrummel im Vorfeld setzte sich auch beim eigentlichen Börsenstart in der Börse München fort, als TV, Radio und Zeitungs-Journalisten Manfred Schwabl belagerten.

Kritik und Enthusiasmus

Schon im Vorfeld stieß der Börsengang der SpVgg Unterhaching ein großes Medieninteresse. Kaum eine deutsche Zeitung, die nicht über den angestrebten Börsengang berichtete - selbst Forbes war es einen Artikel wert. Und dieses Interesse hielt an, so dass die Schlagzeilen von "Hübsche Braut" (Süddeutsche Zeitung) über "Die Provinz geht an die Börse" (Die Zeit) und "Mehr Stillhalter als Spekulanten" (Süddeutsche Zeitung) bis "Unterhaching legt fulminanten Börsenstart hin" (Die Welt), "Schwabl läutet die Börsenglocke - Haching-Aktie startet mit 8,30 Euro und steigt auf 12,80 Euro" (Münchner Merkur) und "Aufstiegspläne als Kurstreiber" (Handelsblatt) reichten. Selbstverständlich gab es auch skeptische Stimmen, doch die über 1.150 Zeichner mit oft eher kleinen Tranchen beweisen, dass der Börsengang auf ein breites Interesse gerade auch bei Privatanlegern stieß, die einen ganz besonderen Verein unterstützen wollen. Einen Verein, der selbstbestimmt im Fußballgeschäft reüssieren und der dabei auch die sozialen Werte nicht zu kurz kommen lassen will. Denn ein wesentliches Benefit von Unterhaching ist sein Jugendleistungszentrum, in dem nicht nur Sportler, sondern auch Jugendliche und junge Erwachsene mit sozialem Wesen ausgebildet werden sollen.

Auge in Auge mit den Investoren

Die Aktie der SpVgg Unterhaching wird in unserem Mittelstandssegment m:access gelistet. Eine wesentliche Anforderung dort ist, dass sich die Unternehmen einmal im Jahr auf einer Fachkonferenz den Fragen von Analysten, Journalisten und Investoren stellen. Manfred Schwabl steht für Transparenz gegenüber seinen Investoren und hat deshalb bereits während der Zeichnungsfrist sein Fußball-Unternehmen vorgestellt.

Information ist alles

Die Börse München hat den Börsengang mit einer eigenen Website unterstützt - wie bei jedem IPO oder IBO. Besonders viel Spaß hat dem Autor dieser Zeilen aber das Interview mit Manfred Schwabl, Trainer Claus Schromm und Kapitän Josef Welzmüller gemacht, das nicht auf dem Parkett, sondern auf dem Rasen stattfand. Das Video kann auch weiterhin auf unserem Youtube-Kanal (den man auch abonnieren kann, denn fast wöchentlich gibt es neue Videos zur Marktlage) angesehen werden.

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