Aquakultur – säkulares Wachstum abseits der Technologie

Gerd Häcker, Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung GmbH
Gerd Häcker / Bild: Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung GmbH
Fischzucht oder Aquakultur ist eine Branche, die wir schon viele Jahre analysieren und beobachten. Eine steigende Weltbevölkerung treibt das Wachstum voran. Früher übernahm die Fischzucht lediglich eine Art „Feuerwehrfunktion“, um temporäre Angebotslücken der Fischereiindustrie zu schließen. Es war deutlich kostengünstiger, die Weltmeere zu befischen, um die Bevölkerung mit Meeresfrüchten zu versorgen. Zu dieser Zeit war die Aquakulturbranche noch mit hohen Risiken behaftet. Die Stabilität des Geschäftes ließ zu wünschen übrig. Nach und nach änderte sich die Lage. Die Überfischung der Weltmeere gab der Fischzucht den Startschuss in eine neue Ära. Wichtige Seegebiete geraten durch Überfischung unter Druck. Aktuell bestehen beispielsweise Befürchtungen, dass die Fischbestände im Schwarzen Meer deutlich schrumpfen werden. Die kommerzielle Fischerei wird zudem für diverse Umweltschäden verantwortlich gemacht. Die Aquakultur ist mehr und mehr gefordert, die entstehenden Angebotsdefizite zu decken.

Fischzucht ist effizient, aber auch nachhaltig?

Die hohe Effizienz der Eiweißproduktion ist bei Zuchtfischen bemerkenswert. Im Gegensatz zu Rindern benötigt man nur einen Bruchteil an Futter, um die gleiche Menge an gesundem Eiweiß zu produzieren. Gerade in der heutigen Zeit kann dieser Aspekt zu einer erhöhten Produktion von Fisch führen, da die Futterkosten in der Tierhaltung durch die inflationäre Preisentwicklung deutlich angestiegen sind. Auch das Bewusstsein für klimaschonende und gesündere Ernährung wird in Zukunft zu einem weiteren Nachfrageschub für Fisch führen. Allerdings blieb die Branche auch von der Corona-Krise nicht verschont. Durch sie entstanden für viele Fischfarmen große Absatzprobleme. Insbesondere Hotels und Restaurants sind elementar wichtige Abnehmer, die jüngst Pandemie-bedingt als Nachfrager ausfielen.

Neue Trends könnten die Branche verändern

Die Aquakulturbranche verändert sich laufend. Die Kritik über eine Zerstörung der Umwelt durch die Verunreinigung der Fjorde in Norwegen und Chile führt zu neuen Trends in der Zucht. Landbasierte Aquakultur wird als umweltschonende Alternative gesehen. Jüngst wurden in Brasilien Konzessionen für ein großes Offshore-Zuchtgebiet vom Landwirtschaftsministerium freigegeben. Hierbei handelt es sich um die weltweit größte Offshore-Konzession, die von der Firma Forever Oceans zur Fischproduktion genutzt wird. Andere Experten sehen den Trend eher in einer Zucht auf dem offenen Meer. Besondere Zuchtanlagen bzw. Zuchtschiffe sollen die Küstenbereiche vor einer Verschmutzung schützen.

Es gibt aber auch Gegenspieler. Veganer Lachs aus dem 3D-Drucker oder Sushi-Lachs aus künstlich gezüchteten Zellen gewinnen Marktanteile, wenn auch ausgehend von sehr niedrigem Niveau. Ob sich diese neuen Praktiken durchsetzen, ist heute sicherlich noch nicht klar auszumachen. Die Entwicklungen gilt es nun genau zu beobachten.

Der Lachs bekommt Konkurrenz

Aber nicht nur Lachsproduzenten verdienen unsere Aufmerksamkeit. Andere Fischarten gewinnen immer mehr Beachtung beim Verbraucher. Wir sehen gute Zukunftschancen bei Kingfish (Gelbschwanzmakrele). Diese Fischart ist deswegen bekannt, weil sie schon lange Zeit beim klassischen Sushi eine feste Rolle einnimmt. Zudem sind viele Luxusrestaurants dankbare Abnehmer. Wie wir aus der Branche hören, sind künftig auch vermehrt Verkäufe an den klassischen Einzelhandel angedacht. In Europa bewegen sich die Absätze dieser Fischart noch auf sehr niedrigem Niveau. Der Bekanntheitsgrad dieser Fischart ist hierzulande daher noch deutlich ausbaufähig. In Australien und Japan erfreut sich die Gelbschwanzmakrele dagegen bereits einer großen Beliebtheit. Die Umsätze sind mittlerweile beträchtlich.

Investments mit großen Chancen, aber hohen Volatilitäten

Investments in die neuen Trends der Fischzucht sind heute schon möglich. Einige Firmen finden sich bereits auf den Kurszetteln an den Weltbörsen. Vor Volatilität sei aber gewarnt. Ein Hoffnungsträger der landbasierten Aquakultur (Atlantic Sapphire) musste beispielsweise durch Fehler in der Produktion sowie einem Brand in der Zuchtanlage große Schäden verkraften. Die Aktionäre erlitten schmerzhafte Kursverluste. Ob die Firma wieder „die Kurve kriegt“, bleibt noch abzuwarten. SalMar dagegen zählt zu den Hoffnungsträgern im Offshore-Zuchtsegment. Dieser Aktie gehört nach Einschätzungen einiger Kenner der Branche die Zukunft. Besonders interessant sind auch chilenische Aquakulturkonzerne, die durch die hohe politische Unsicherheit auf ein sehr niedriges Bewertungsniveau gefallen sind. Hier sind mittelfristig größere Kursgewinne möglich.

Es müssen aber nicht immer Investitionen in Einzelaktien sein. Neben den Direktanlagen im Fischzuchtsegment findet der Anleger sogar einen Publikumsfonds, der sich stark auf dieses Wachstumssegment spezialisiert hat. Es handelt sich hierbei um den Bonafide Global Fish Fund, der über viele Jahre eine erfolgreiche Wertentwicklung vorweisen konnte. Wir werden dieses interessante Wachstumssegment sehr genau beobachten und immer wieder temporäre Chancen in diesem Segment nutzen, sobald sich durch Rückschläge an der Börse attraktive Reinvestitionschancen ergeben.
Gerhard Häcker ist geschäftsführender Gesellschafter der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung GmbH in München.
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Im Artikel erwähnte Wertpapiere

SalMar Rg 58,75 0,00%
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Atlantic Sapphire ASA 0,0825 0,00%
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