Größere Korrektur unwahrscheinlich

Prof. Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Prof. Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg
Die klassisch positive April-Saisonalität scheint sich wieder zu zeigen. Die Aktienmärkte sind in der Breite gestiegen, vor allem US-Aktien konnten deutlich zulegen. Verantwortlich waren dafür neben der Verschnaufpause des Renditeanstiegs bei Anleihen weiterhin positive Gewinnrevisionen und Konjunkturüberraschungen. Stark sind jüngst die Gewinnschätzungen der nächsten 12 Monate für Lateinamerika gestiegen, um mehr als 8 Prozent allein im letzten Monat. Jedoch sind andernorts die Bewertungsniveaus gestiegen, vor allem in den USA, sodass es wichtig bleibt, dass die Unternehmen die Gewinnerwartungen mindestens erfüllen. Entsprechend spannend wird die Q1-Berichtssaison. Die Anlegerstimmung ist weiter optimistisch. Eine größere Korrektur halten wir kurzfristig jedoch für unwahrscheinlich, weil nach wie vor mehr als 4 Billionen US-Dollar an trockenem Pulver in US-Geldmarktfonds vorhanden sind. Und weil systematische Aktienstrategien wenig Aktienquote fahren, was die Fallhöhe eines etwaigen Abverkaufs begrenzen dürfte.

Kurzfristiger Ausblick: Quartalssaison

Die Q1-Berichtssaison dürfte das Geschehen an den Märkten bestimmen. Diese und nächste Woche berichten mehr als 90 der S&P 500 und mehrere der Stoxx 600 Unternehmen. Geldpolitisch wird der 22. April spannend, wenn sich die EZB zu ihrer monatlichen Sitzung trifft. Am Dienstag werden die Industrieproduktionsdaten für Großbritannien und Italien veröffentlicht. Zudem wird die ZEW-Konjunkturerwartung (Apr.) bekannt gegeben. Am Donnerstag folgen die US-Einzelhandelsumsätze (Mrz.), der Empire State (Apr.) und Philadelphia Fed Index sowie die US-Industrieproduktion (Mrz.). Das US-Verbrauchervertrauen sowie das Q1-BIP, die Industrieproduktion (Mrz.) und die Einzelhandelsumsätze (Mrz.) aus China kommen am Ende der Woche. Über die Woche verteilt werden zudem einige Inflationsdaten veröffentlich, die der Markt genau beobachten wird. Ende der Folgewoche werden zudem die vorläufigen Markit-Einkaufsmanagerindizes (Apr.) für die USA und die Eurozone publiziert.
  • Unserer Einschätzung nach sind systematische Strategien, vor allem Risk Parity und Vol Targeting, nach wie vor wenig in Aktien investiert. Dafür verantwortlich ist neben der erhöhten Anleihevolatilität u.a. der Anstieg in der Korrelation zwischen Aktien und Anleihen.
  • Die fallende Aktien-Volatilität spricht aber dafür, dass systematische und teilweise auch diskretionäre Strategien in Zukunft wieder mehr Aktien nachfragen dürften. Das sollte die Märkte weiter unterstützen.

Ausgewählte Assetklassen

  • Nachdem REITs noch letztes Jahr zu den größten Verlierern gehört haben, feiern sie jetzt ein Comeback und zählen zu den stärksten Anlageklassen dieses Jahr.
  • Innerhalb der Rohstoffe stabilisierte sich zuletzt Gold, während Brentöl sein positives
    Momentum etwas verloren hat. Die Öffnung der Wirtschaft zieht sich in Europa noch hin.
  • Schwellenländer-Aktien, allen voran China, setzten ihre Underperformance in den letzten Wochen fort.
  • Der S&P 500 hat sich jüngst kräftig erholt und liegt nun in Euro gemessen sogar vor britischen und Eurozonen-Aktien, auch dank der US-DAufwertung. US-Small Caps blieben
    hingegen relativ schwach, genauso wie osteuropäische Aktien, die unter dem fallenden Ölpreis litten.
  • Der zyklische DAX zeigt weiterhin relative Stärke und notiert in der Nähe seines Allzeithochs.
  • Für Anleihen bleibt das Umfeld durchwachsen. Der Anstieg in den Renditen hat zwar eine Pause eingelegt, aber seit Jahresbeginn bleiben viele Anleihesegment im negativen Bereich.
  • Allen voran Schwellenländer-Hartwährungsanleihen haben die steigenden US-Staatsanleiherenditen und der starke US-Dollar zu schaffen gemacht.
Prof. Dr. Bernd Meyer ist Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg.
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Datum: 12. April 2021.

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