Gesunde Korrektur

Prof. Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Prof. Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg
Die jüngste Korrektur im heiß gelaufenen und teils ambitioniert bewerteten US-Technologiebereich halten wir für gesund. Neben Gewinnmitnahmen nach der starken Rallye war dafür der Optionsmarkt verantwortlich. US-Privatanleger haben mit ihren Call-Wetten auf steigende Kurse die Market Maker dazu gezwungen, sich gegen weiter steigende Märkte in Form von Aktienkäufen abzusichern. Das hat die Rallye verstärkt und zu einer erhöhten Volatilität geführt. Als es dann zu der Umkehrbewegung kam, wurden diese Hedges reduziert – die Feedback-Schleife wirkte verstärkend nach unten. Wir halten das weitere Abwärtspotenzial für begrenzt, denn die Optionspositionierung ist nun nicht mehr so extrem und Anleger verfügen über Unmengen an trockenem Pulver. Bis Jahresende dürfte es zwar immer wieder Volatilitätsspitzen geben (Fed-Sitzung, US-Wahlen, Brexit, Handelskonflikt, Impfstoff-News). Wir bleiben trotzdem konstruktiv, denn die Konjunkturerholung setzt sich fort, Aktien sind attraktiver als Anleihen und Euphorie herrscht nicht.

Kurzfristiger Ausblick

Am heutigen Montag sprechen die EU und China über die zukünftigen Handelsbeziehungen sowie den Klimawandel und die Corona-Pandemie. Am 24./25. September findet zudem ein EU-Sondergipfel statt. Besprochen werden Fragen zum Binnenmarkt, zur Industriepolitik, zur digitalen Transformation sowie zu Außenbeziehungen, insbesondere die Beziehungen zur Türkei und zu China. Nach dem EZB-Treffen letzte Woche halten diese Woche die Fed (16.09.) und die Bank of England (17.09.) ihr September-Meeting ab. Bei der Bank of England dürfte zunehmend das wirtschaftliche Risiko eines harten Brexit in den Fokus rücken. Diese Woche werden die Industrieproduktionsdaten (Aug.) für die Eurozone (heute), China (15.09.) und die USA (16.09.) sowie die Einzelhandelsumsätze (Aug.) für China (15.09.), die USA (16.09.) und Großbritannien (18.09.) veröffentlicht. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sowie der US-Empire State Index werden am Dienstag und das US-Verbrauchervertrauen am Freitag bekannt gegeben.

Stückweise Bereinigung der Positionen

  • Im August stiegen US-Aktien und implizite Volatilität zeitgleich, ein seltenes Phänomen.   Auslöser waren Ungleichgewichte am Optionsmarkt.
  • Da die Call-Option-Käufe vor allem auf US-Techtitel konzentriert waren, stieg insbesondere die Nasdaq-Volatilität enorm an.
  • Jüngst gab es trotz Abverkaufs eine Volatilitätsabnahme, was für eine stückweise Bereinigung der Positionen spricht. Das Annähern an den großen Verfallstag  am Optionsmarkt am18. September dürfte zu einem weiteren Positionsabbau führen.
    Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen Zeitraum: 01.01.2019 –11.09.2020

Performance Multi-Asset und Aktien

  • Über die letzten vier Wochen haben sich die großen Anlageklassen kaum bewegt, mit der  Ausnahme von Brentöl, was aufgrund von Nachfragesorgen kräftig nachgab.
  • Frontier-Märkte-Aktien konnten sich zuletzt etwas erholen, gehören jedoch mit Öl und REITs  weiterhin zu den großen Verlierern dieses Jahr.
    Gesamtrendite („Total  Return“) für ausgewählte Anlageklassen, in Euro und in Prozent, sortiert nach   4-Wochen-Performance. Quelle: Bloomberg, Zeitraum: 11.09.2015 -11.09.2
  • Innerhalb der Aktienregionen bleiben zyklische Indizes wie der DAX weiterhin gut unterstützt. Nachdem US-Aktien  im August den Rest der Welt deutlich outperformen konnten, kam es jüngst zu einem stärkeren Rücksetzer, der vor allem die US-Technologietitel traf.
  • Der  Ölpreisabsturz hat zudem zu einer relativen Underperformance von osteuropäischen Aktien geführt. Innerhalb der Schwellenländer bleibt Asien die beste Region.
    Gesamtrendite (inklusive reinvestierter Dividenden) für ausgewählte Aktienindizes, in Euro und in Prozent, sortiert nach 4-Wochen-Performance. Quelle: Bloomberg, Zeitraum: 11.09.2015 -11.09.2020
Prof. Dr. Bernd Meyer ist Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg.

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