Schlechte Nachrichten dürften die Märkte rasant nach unten schicken

Mark Dowding, BlueBay AM
Mark Dowding / Bild: BlueBay AM
Angesichts der Anzeichen für eine zweite Covid-19-Welle in den USA und des Wiederaufflackerns des Virus in Europa sehen wir die Hoffnungen auf eine V-förmige Erholung schwinden. Anleger sollten das Risiko im August begrenzen, weil eine weitere Eintrübung der Nachrichtenlage die Märkte rasant nach unten schicken dürfte.
Die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank am Mittwoch hat wenig Neues gebracht. Obwohl es Anzeichen dafür gibt, dass eine zweite Covid-19-Welle an Dynamik gewinnt, bleiben die Anleger unbeeindruckt. Offenkundig gehen sie davon aus, dass die politischen Entscheidungsträger weiterhin Liquidität bereitstellen werden, um die Vermögenspreise zu stützen.

Die Versuchung vollumfänglich investiert zu bleiben, ist für viele Marktteilnehmer groß. Sie gehen davon aus, dass in einer ruhigen Sommerperiode die Volatilität abnehmen wird. Weil in den vergangenen vier Monaten die Bewertungen jedoch einen weiten Weg zurückgelegt haben, könnte jetzt der richtige Zeitpunkt sein, um eine defensive Haltung einzunehmen. Nach den Hoffnungen auf eine V-förmige Konjunkturerholung könnten die Datenveröffentlichungen in den kommenden Wochen zu einer gewissen Enttäuschung führen.

Das Virus belastet die Stimmung

Das Wiederaufflackern des Virus in Europa belastet die Stimmung. Bei vielen Marktteilnehmern scheint sich die Ansicht durchzusetzen, dass die derzeitigen Anpassungen im täglichen Leben wahrscheinlich bis weit ins Jahr 2021 hineinreichen werden – vor Augen geführt durch gering besuchte Shopping-Meilen und die Ankündigungen von Konzernen, die Mehrzahl ihrer Mitarbeiter noch viele weitere Monate im Homeoffice arbeiten zu lassen.

Immerhin scheint die neue Ausbreitung des Virus mit deutlich verringerter Geschwindigkeit zu verlaufen. Bis Impfstoffe und wirksame Therapien bereitstehen, könnte daher die wirtschaftliche Normalisierung nicht zuletzt dank der jüngsten Einigung auf das Konjunkturpaket weiter vorankommen – solange die R-Rate des Virus nicht außer Kontrolle gerät. Dessen ungeachtet sollten Anleger das Risiko im August begrenzen. Bei guten Nachrichten dürften die Bewertungen an den Märkten nur noch leicht steigen. Bei schlechten Nachrichten gilt Vorsicht, weil eine weitere Eintrübung der Nachrichtenlage die Märkte rasant nach unten schicken dürfte.
Mark Dowding ist Partner und Chief Investment Officer von BlueBay. Er verfügt über mehr als 24 Jahre Erfahrung als Anleger im makroökonomischen Fixed-Income-Umfeld und ist seit 2010 Senior Portfolio Manager bei BlueBay. Vor seiner Tätigkeit bei BlueBay war Mark Leiter Fixed Income in Europa bei der Deutschen Asset Management (jetzt DWS), eine Position, die er zuvor auch bei Invesco innehatte. Mark begann seine Karriere 1993 als Portfoliomanager für festverzinsliche Wertpapiere bei Morgan Grenfell. Er besitzt einen Bachelor of Science (Hons) in Wirtschaftswissenschaften von der University of Warwick.