Das Kartenhaus ist eingestürzt

Ulrich Kirstein mit der Presseschau am Freitag
Ulrich Kirstein / Bild: BBAG/Killius
Auch diese Woche ging es weiter mit dem Tatort aus Aschheim. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung titelte bereits am Sonntag, vier Tage vor dem Insolvenzantrag von Wirecard, „Kartenhaus“ und ließ keinen Zweifel daran, dass es zusammengefallen sei. Am Dienstag legte die Frankfurter Allgemeine Zeitung nach mit „‘Schande‘ für Deutschland“ und listete im Finanzen-Teil „Die Möglichkeiten der Wirecard-Anleger“ auf. Dabei fand sich wenig Konkretes, aber schließlich gaben schon da die meisten Analysten keine Einschätzung mehr ab – das war noch vor Tagen ganz anders. Zu Analysten und Wirtschaftsprüfern schrieb H.R- Dohms in seinem bestens informierte Newsletter Finanz-Szene über die Causa Wirecard sehr treffend: „Wenn es uns allerdings richtig erklärt wurde, dann muss man sich einen Sellside-Analysten als einen Menschen vorstellen, der Zahlen in Tabellen eintippt und am Ende auf ein Knöpfchen drückt. Und einen Wirtschaftsprüfer als einen Menschen, der Listen abarbeitet und dabei Häkchen setzt“. Aber das hat er wohlgemerkt noch vor der Insolvenz geschrieben. Am Tag nach der Insolvenzanmeldung titelte die Financial Times, die als erstes und schon vor Jahren vor Wirecard gewarnt hatte: „Wirecard insolvency filling marks – first failure for Germany’s Dax“. Die Börsen-Zeitung drückte den Sachverhalt so aus: „Kollabierte Wirecard wird zum ersten Insolvenzfall im Dax“ und legte im Kommentar noch eines drauf, dens sie überschrieb ihn kurz mit „Waterloo“, dem Symbol für eine umfassende Niederlage schlechthin. Die Wochenendausgabe des Handelsblatts schließlich setzte Wirecards Ex-Chef Markus Braun im obligatorischen schwarzen Rollkragen vor rotem Hintergrund und die Schlagzeile "Der Fall Wirecard". Unser Leiter der Handelsüberwachung hat seine Tipps in Focus Money online mit „Fünf Dinge, die Anleger aus dem Fall Wirecard lernen können“, überschrieben, denn es hilft ja nichts, nur in die Vergangenheit zu blicken und gar Aktien künftig ganz zu meiden.

Es reicht

Konzentrieren wir uns auf das Positive mit der aktuellen Börse online. Auf ihrem Titel prangt die Schlagzeile „Gewinne, Gewinne, Gewinne, Gewinne“ mit „Deutschlands wahre(n) Wachstumswerte(n)“. Die Redaktion führt im Heft dazu eine Top-30-Rangliste auf und wir freuen uns, dass der m:access-Werte Steico hier den zweiten Platz einnimmt! Außerdem finden sich noch auf dieser Positivliste der deutschen Aktienkultur die m:access-Werte Mensch und Maschine, BBI Bürgerliches Brauhaus, VIB Vermögen und die UmweltBank! FocusMoney macht hingegen mit dem auf, das es auch im Namen trägt, einem Bündel Geldscheine. Und schreibt dazu: „50.000 Euro anlegen reicht“. Mancher Wirecard-Anleger dürfte dem zustimmen und klagen: es reicht. Darüber hinaus weist das Blatt aber auf Dividenden-Depots hin, die ein 13. Monatsgehalt versprechen. Im Heft werden dann vier unterschiedliche Dividenden-Strategien ausführlicher vorgestellt. Das vierteljährlich erscheinende TIAM – Trends im Asset Management titelt mit den „heimlichen Krisengewinnern“ und setzt dabei auf nachhaltige Investments. Aufmerksam wurden wir aber auf den Artikel „Vorsprung durch nachhaltige Führung“ in dem es heißt: „In Krisensituationen kommt es ganz besonders auf eine qualifizierte Unternehmensführung an!“. Wie wahr, wobei wir wieder bei Wirecard, siehe oben, wären.

Kein Geld mehr

Mit der Lufthansa beherrschte ein zweiter Dax-Titel die Schlagzeilen: „Staatsmilliarden retten die Lufthansa“ schrieb die Augsburger Allgemeine am heutigen Freitag. Das war eine Zeitlang wieder unsicher, nachdem sich mit dem Hauptaktionär von Knorr-Bremse ein quasi berufsmäßiger Bremser bei dem Lufthansa-Konzern eingekauft und „scharfe Kritik am Einstieg des Staates“ geübt hatte, so die Süddeutsche Zeitung. Er hätte mit seinem Aktien-Anteil auf der Hauptversammlung den 20-Prozent-Einstieg des Staates verhindern können, dann wäre der Konzern wohl als zweiter Dax-Konzern in die Insolvenz geschlittert. Immerhin zitierte die Börsen-Zeitung den Aufsichtsratschef der Lufthansa mit den lapidaren Worten: „Wir haben kein Geld mehr“.

Klägliches Ende

Einige Meldungen sind vor lauter Wirecard und Lufthansa vielleicht etwas untergegangen. Beispielsweise, dass ein dritter Dax-Konzern, die Bayer AG, sich Luft verschafft hat. „Bayer kauft sich frei“ stand in der Welt vom Freitag über die Einigung des Konzerns mit der Mehrzahl der Kläger in den USA. Große Hoffnungen wurden einst – 2001 – auf eine völlig neue, revolutionäre Art der Fortbewegung gesetzt. Nein, das Laufen mit Smartphone in der Hand war nicht gemeint, sondern der zweirädrige Elektroroller Segway. Jetzt wird, nach einigen Eigentümerwechseln, die Produktion des Rollers, der es nie aus dem Nischendasein von durch Großstädte rollenden Touristengruppen geschafft hat, sang und klanglos eingestellt. Immerhin bleibt er im Namen des chinesischen Unternehmens Segway-Ninebot erhalten. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung überschrieb ihren Beitrag deshalb mit „Klägliches Ende für den Segway“. „Es half dem Ruf auch nicht, als im Jahr 2003 der damalige amerikanische Präsident George W. Bush von einem nicht angeschalteten Segway fiel und dabei ein unglückliches Bild abgab“, schrieb Roland Lindner im Artikel. Immerhin brachte es der Roller auf eine „Liste der zehn größten Technologieflops des Jahrzehnts“ der Zeitschrift Time.
 
„Es reicht, kein Geld mehr, klägliches Ende“ lauten unsere Überschriften dieser Presseschau und fassen damit das Thema des ersten Absatzes kurz und bündig zusammen.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

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