Weltwirtschaft infiziert – Corona sorgt für deutlichen Konjunktureinbruch

Martin Huber, Deutsche Bank
Martin Huber / Bild: Deutsche Bank
Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in seiner Prognose für 2020 mit einem Rückgang der Weltwirtschaft um drei Prozent. Dies wäre der stärkste Einbruch seit der Großen Depression in den 1930er Jahren. Für die USA und die Eurozone rechnet der IWF mit einem Minus von 5,9 Prozent beziehungsweise 7,5 Prozent. In China, das den Corona-Höhepunkt scheinbar bereits überwunden hat, zeigten Zahlen zum ersten Quartal nun das Ausmaß der Pandemie vor Ort. Die Wirtschaftsleistung ging in diesem Zeitraum um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück – der erste Rückgang seit dem Ende der Kulturrevolution vor 44 Jahren. Durch die dort bereits eingeleiteten Lockerungsmaßnahmen ging die Industrieproduktion lediglich um ein Prozent zurück. Der Einzelhandelsumsatz hingegen zeichnet mit  -16 Prozent ein trübes Bild. In Deutschland wurden für die kommende Woche leichte Lockerungen angekündigt. Kleinere Geschäfte dürfen unter strengen Gesundheitsauflagen demnach wieder öffnen.

Aktien: Rekordumsätze im Wertpapierhandel

Zum Auftakt der nun beginnenden US-Berichtssaison für das erste Quartal öffneten die großen US-Banken traditionell als Erste ihre Bücher. In den Zahlen zeigen sich dabei deutliche Spuren der Coronapandemie. Zwar gelang es einigen Häusern besser als erwartet durch das schwierige erste Quartal zu kommen, dennoch gaben die Gewinne vereinzelt in der Spitze um bis zu 89 Prozent nach. Die Gewinne wurden insbesondere durch Rückstellungen belastet, die nun vorsorglich für drohende Kreditausfälle gebildet wurden. Seit Beginn der Coronakrise in den USA haben bereits rund 22 Millionen Amerikaner ihren Job verloren. Schätzungen zu Folge könnte die Arbeitslosenquote diesen Monat auf rund 15 Prozent klettern. Trotz der gesunkenen Gewinne blieben die US-Banken bislang aber weiterhin profitabler als einige europäische Banken. Insbesondere der Wertpapierhandel konnte im ersten Quartal deutlich zulegen und verbesserte die Ertragslage. Aufgrund der turbulenten Marktentwicklung konnten teilweise sogar Rekordumsätze in dem Segment erreicht werden. Im Wochenverlauf präsentierten sich die weltweiten Aktienmärkte ansonsten in relativ robuster Verfassung.

China BIP-Entwicklung im Zeitverlauf

Die Märkte im Überblick

Renten: Englische Regierung erhält höheren Kreditrahmen

Die Bank of England (BoE) gewährt der Regierung vorübergehend einen höheren Kreditrahmen. Bisher standen der Regierung lediglich kurzfristige Überziehungskredite in Höhe von bis zu GBP 400 Millionen zur Verfügung. Um welche Summe genau der Rahmen erhöht wurde, ist nicht bekannt. Während der Finanzmarktkrise stieg die Fazilität allerdings auf GBP 20 Milliarden. Bis Ende des Jahres sollen die Kredite jedoch getilgt sein, wie die Regierung mitteilte. Die laufende Rendite von zehnjährigen britischen Staatsanleihen gab im Laufe der Woche leicht nach.

Rohstoffe: Ölpreis entspannt sich nur kurzfristig

Die Einigung am Osterwochenende zwischen der OPEC und weiteren Ölproduzenten, das tägliche Angebot um rund 10 Millionen Fass Öl zu reduzieren, sorgte nur kurzweilig für Entspannung am Ölmarkt. Viele Analysten halten die vereinbarten Kürzungen für zu gering. Ungeachtet der Rekordkürzungen der Fördermenge könnte der Nachfragerückgang im April bei rund 20 Millionen Fass Öl pro Tag liegen. Zudem zweifeln manche Beobachter daran, ob sich alle Beteiligten an die Förderquoten halten, insbesondere in einer Zeit, in der viele Länder zeitgleich mit den negativen Folgen des Virus zu kämpfen haben.
Martin Huber ist Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Süd der Deutschen Bank.