Heiße Luft der Fed könnte Gold beflügeln

Joe Foster, VanEck
Joe Foster / Bild: VanEck
Die geopolitischen Risiken nehmen weiter zu und trieben den Goldpreis am 10. August auf sein Monatshoch von 1.807 US-Dollar pro Unze, als China Militärübungen über und um die Region Taiwan durchführte. Die Machtdemonstration war beispiellos. In einem Meinungsartikel im Wall Street Journal argumentieren Hal Brands und Michael Beckley, dass Chinas neue militärische Fähigkeiten in Verbindung mit der Mitte der 2020er Jahre eingetretenen Flaute der amerikanischen Militärmacht eine Gelegenheit für China darstellen, die Region Taiwan zurückzuerobern. Nach Angaben der RAND Corporation würde ein Jahr Kampf um die Region Taiwan das amerikanische BIP um 5 bis 10 Prozent und das chinesische um 25 bis 35 Prozent verringern. Die Logik legt nahe, dass das menschliche Leid und die wirtschaftlichen Kosten bei dem Versuch, die Wiedervereinigung zu erzwingen, untragbar wären. Viele dachten allerdings auch, dass Russland niemals die Ukraine angreifen würde.…
 
Der Goldpreis tendierte für den Rest des August niedriger und schloss mit einem Verlust von 54,90 Dolar  (3,1 Prozent) bei 1.711,04 Dollar pro Unze. Am 15. August vermeldete China Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion und Arbeitslosenquoten, die alle unter den Erwartungen lagen. Dies führte zu einem Ausverkauf bei Rohstoffen, einschließlich Gold. Auch der US-Dollar, der am 29. August ein neues Zwanzigjahreshoch erreichte, setzte den Goldpreis unter Druck. Der Dollar gewann an Stärke, als der Vorsitzende der US-Notenbank (Fed), Powell, signalisierte, dass die Fed bereit ist, die Zinsen weiter anzuheben und sie möglicherweise noch länger hoch zu halten, um der Inflation entgegenzuwirken.

Goldaktien scheinen steigende Kosten weitgehend
eingepreist zu haben

Die Berichterstattung über das zweite Quartal wurde im August abgeschlossen, und sie war alles andere als schön. Unternehmen wurden von der Kombination aus fallenden Metallpreisen und steigenden Kosten getroffen, was zu Gewinneinbußen und Kostenkorrekturen führte. Die meisten Unternehmen haben ihre Kostenerwartungen bis an das obere Ende der Prognosen verschoben oder diese noch nach oben korrigiert. Wir machen den Unternehmen keinen Vorwurf, denn der Kostendruck liegt größtenteils nicht in ihrer Hand. Ein Krieg in der Ukraine wurde im Januar von niemandem einkalkuliert. Kraftstoff, Energie und Verbrauchsgüter, die Teil der petrochemischen Kette sind, gehören zu den wichtigsten Kostenfaktoren. Ein weiteres Problem ist der Arbeitskräftemangel, mittlerweile ein globales Phänomen. Ursprünglich rechneten Unternehmen mit einer Kosteninflation von 3 bis 6 Prozent im Jahr 2022, aber diese Schätzungen haben sich verdoppelt, und die Gesamtkosten liegen jetzt bei durchschnittlich 1.200 Dollar pro Unze. Die Margen sind nach wie vor gesund genug, um die Dividendenpolitik zu unterstützen, und viele Unternehmen kaufen weiterhin Aktien zurück. Die Ungewissheit, wie lange dieser Kostenanstieg anhalten wird, scheint bei Goldaktien weitgehend eingepreist zu sein, denn der NYSE Arca Gold Miners Index (GDMNTR) entwickelte sich im zweiten Quartal um 15,5 Prozent schlechter als der Goldpreis. Im August fiel der GDMNTR um weitere 8,7 Prozent und der MVIS Global Junior Gold Miners Index (MVGDXJTR) ging um 11,7 Prozent zurück.

Inflationsreduktionsgesetz = Inflationsinduktionsgesetz?

Die Inflation verlangsamte sich im Juli, als der US-Erzeugerpreisindex auf 9,8 Prozent und der US-Verbraucherpreisindex auf 8,5 Prozent zurückging. Wahrlich kein Grund zum Feiern, aber vielleicht ein Hinweis, dass der Höhepunkt überschritten ist. Der Kongress verabschiedete im August den Inflation Reduction Act. Auch das ist kein Grund zum Feiern, denn die Bestandteile des Gesetzes lassen befürchten, dass es die Inflation weiter anheizen könnte. Der Gesetzentwurf sieht Steuererhöhungen für Unternehmen vor, die in der Regel in Form von höheren Preisen an die Verbraucher weitergegeben werden. Mit dem Entwurf werden mehr Prüfungen durch den IRS finanziert, was die Compliance-Kosten für die Steuerzahler erhöht. Außerdem enthält das Gesetz eine Reihe von Boni und Vergünstigungen für grüne Energie. Dies mag zwar der Umwelt zugute kommen, aber grüne Energie kostet mehr als fossile Brennstoffe und erhöht die Nachfrage nach Metallen, was die Preise weiter in die Höhe  treibt. Darüber hinaus behauptet die Regierung zwar, dass der Inflation Reduction Act die Inflation verringern kann, aber die letzten vier von der Regierung verabschiedeten Gesetze sowie der Schuldenerlass für Studenten werden zusammen das Haushaltsdefizit erheblich erhöhen.
 
Die Inflation wird durch einen Nachfrageüberschuss und/ oder einen Angebotsmangel ausgelöst. Der Kongress und die Regierung können auf der Angebotsseite ansetzen, indem sie den Unternehmen Anreize für Investitionen in Kapital, Kapazität und Technologie geben, damit sie Waren und Dienstleistungen billiger produzieren können. Dies geschieht durch Steuersenkungen, den Abbau von Vorschriften, Berufsausbildung und eine Einwanderungspolitik, die hochqualifizierte Arbeitskräfte ins Land bringt. Nichts davon findet sich im Inflation Reduction Act.

Gesetz der Fed lässt Gold in der Warteschleife stehen

Die Fed kann versuchen, die Inflation auf der Nachfrageseite durch Zinserhöhungen und quantitative Straffung einzudämmen, was das Wirtschaftswachstum bremst. Die Erfahrungen der siebziger Jahre legen allerdings nahe, dass die derzeitige langsame Straffung der Fed nicht ausreichen könnte, um die Inflation wieder auf ihr Zwei-Prozent-Ziel zu senken. Außerdem könnte die Fed sich eine Grenze setzen, bis zu der sie bereit ist, die Zinsen zu erhöhen. Wenn die Fed die Zinssätze anhebt, muss sie auch die Zinsen auf die Billionen von Dollar erhöhen, die sie für Geschäftsbanken und andere Einlageninstitute hält. Wenn der angestrebte Leitzins der Fed (derzeit 2,5 Prozent) auf über 3 Prozent ansteigt, werden die von ihr gezahlten Zinsen die Erträge aus ihrem Portfolio übersteigen.
 
In einem kürzlich im Wall Street Journal erschienenen Meinungsartikel schätzt Judy Shelton, dass ein Leitzins von 3,25 bis 3,5 Prozent das Finanzministerium jährlich 195 Milliarden Dollar kosten würde, um die Fed zu finanzieren. Der politische Druck auf die Fed, die Zinsen nicht weiter anzuheben, könnte zunehmen, wenn die Kosten steigen. Darüber hinaus sagte Jerome Powell auf der jüngsten Konferenz in Jackson Hole: “Höhere Zinsen, langsameres Wachstum und weichere Arbeitsmarktbedingungen werden zwar die Inflation senken, aber auch den Haushalten und Unternehmen Schmerzen bereiten. Wird die Fed ihren Kampf gegen die Inflation aufgeben, wenn der “Schmerz” unerträglich wird?
 
Letztes Jahr bezeichnete die Fed die Inflation als “vorübergehend”, doch jetzt sagt Powell, sie sei ein langfristiges Problem. Bislang machen sich die Märkte mehr Sorgen um steigende Zinsen als um die Inflation. Wir glauben, dass die Märkte irgendwann die Geduld mit dem Gerede der Fed verlieren und erkennen werden, dass die Inflation tatsächlich außer Kontrolle geraten ist. Ein solches Erwachen würde dem Gold zugute kommen, und der Kostendruck der Goldminenbetreiber könnte durch einen steigenden Goldpreis mehr als ausgeglichen werden.
Joe Foster ist Portfoliomanager und Goldstratege bei dem Vermögensverwalter VanEck.
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