Vorsicht bleibt angebracht

Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg
Die aus Marktsicht enttäuschende Kommunikation der amerikanischen Zentralbank, die Verschärfung des Handelskonflikts zwischen China und den USA und mäßige Konjunkturdaten haben für einen deutlichen Rücksetzer bei Aktien gesorgt. Insbesondere asiatische Schwellenländer kamen unter die Räder. Auch Öl gab kräftig nach, während Gold sich prächtig entwickelte und die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen auf ein neues Rekordtief fiel. Von den Tiefständen erholten sich die Aktienmärkte wieder etwas, auch weil die mächtigen Aktienrückkaufprogramme der US-Unternehmen nach der Q2-Berichtssaison wieder angelaufen sind. Wir rechnen weiterhin mit einer volatilen Seitwärtsbewegung in den nächsten Wochen. Auf der einen Seite unterstützen die lockere Zentralbankpolitik und die relative Unattraktivität von Anleihen die Aktienmärkte. Auf der anderen Seite zeichnet sich keine baldige Konjunkturerholung ab und die letzten Worte im Handelsstreit sowie beim Brexit sind auch noch nicht gesprochen. Vorsicht bleibt angebracht.

Kurzfristiger Ausblick

Die bisher besser als befürchtete US- und Europa-Berichtssaisson für Q2 geht am 15. August zu Ende. Somit kommen von Unternehmensseite vorerst kaum neue Impulse und ein neues Treffen zwischen China und USA ist erst für September geplant. Die spannende Frage ist jedoch, ob Donald Trump seiner Ankündigung Taten Folgen lässt und wirklich weitere Zölle auf chinesische Waren ab 1. September erheben wird. Diese dürften dann auch den US-Konsumenten belasten. Die G7-Staaten werden sich am 24.-26.08. in Frankreich treffen und Themen wie Wirtschaft, Außenpolitik und Umweltschutz besprechen. An diesem Dienstag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen und am Mittwoch die Q2-Wachstumszahlen der Eurozone und Deutschland bekanntgegeben. Am Donnerstag werden die US-Einzelhandelsumsätze, US-Industrieproduktionsdaten sowie die Wirtschafskonditionen (Empire State Index) und am Freitag das US-Konsumentenvertrauen (University of Michigan) veröffentlicht.
Während die Zinsen immer weiter fallen und damit einhergehend das Anleihevolumen mit negativer Verzinsung steigt, gewinnt der Goldpreis an Wert hinzu.
Mittlerweile werden in Deutschland selbst Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit negativ verzinst. Entsprechend sinken die Opportunitätskosten.
Gold profitiert auch von der gestiegenen politischen Unsicherheit sowie der höheren Nachfrage von Zentralbanken, die eine Diversifikation ihrer Beteiligungen abseits des US-Dollars anstreben.

Aktien haben global gelitten

Über die letzten vier Wochen haben alle Aktienregionen an Wert verloren. Defensive europäische Aktien entwickelten sich dabei am besten, während sich asiatische Schwellenländer (Handelskrieg, Konjunktursorgen) und britische Aktien (Brexit) unterdurchschnittlich entwickelten.
Seit Jahresanfang haben US-Aktien am besten und asiatische Schellenländer am schlechtesten abgeschnitten.
Dr. Bernd Meyer ist Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg.