Mehr als zehn Jahre in Folge die Dividende gesteigert

Werner W. Rehmet, MyDividends
Werner W. Rehmet / Bild: MyDividends
Im aktuellen Börsenumfeld werfen langfristig orientierte Investoren wieder verstärkt einen Blick auf treue Dividendenzahler. Diese finden sich in Deutschland auch in der zweiten Reihe.

Brenntag steigert die Dividende das elfte Jahr in Folge

Brenntag-Headquarter in Essen /Bild: Brenntag
Die Aktie von Brenntag ist seit September 2021 Teil des deutschen Leitindex DAX. Die Geschichte der Firma mit Sitz in Essen beginnt im Jahr 1874, als Philipp Mühsam einen Eiergroßhandel in Berlin gründet, der später in Brenntag (Abkürzung für Brennstoff-, Chemikalien- und Transport AG) umbenannt wird. Im Jahr 1912 tritt Brenntag in den Chemiedistributionsmarkt ein. Brenntag versorgt seine Kunden mit einer Produktpalette an Industriechemikalien, wie Säuren, Laugen, Feststoffe, Lösemitteln sowie Wasserchemikalien.

Insgesamt betreibt Brenntag ein Netzwerk mit rund 700 Standorten in 78 Ländern und mehr als 17.000 Mitarbeitern weltweit. Damit ist Brenntag Bindeglied zwischen Chemieproduzenten (Lieferanten) und der weiterverarbeitenden Industrie (Kunden). Es werden rund 195.000 Kunden betreut und Brenntag ist heute nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Distribution von Chemikalien und Inhaltsstoffen. Die Umsatzerlöse beliefen sich im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2022 auf 4,53 Mrd. Euro. Diese lagen damit wechselkursbereinigt 39,8 Prozent über dem Umsatz des Vorjahres. Das operative EBITDA lag mit 463 Mio. Euro 48,8 Prozent (wechselkursbereinigt) über dem Vorjahr. Das Ergebnis nach Steuern stieg auf 254 Mio. Euro (Vorjahr: 100,2 Mio. Euro). Das Ergebnis je Aktie lag bei 1,61 Euro nach 0,63 Euro im Vorjahr. Brenntag sprach vom besten Ergebnis, das jemals in einem Quartal erzielt wurde. Die Ergebnisse müssten aber auch im Kontext eines außergewöhnlichen Marktumfelds gesehen werden. Die enormen Preissteigerungen im ersten Quartal 2022 und der damit verbundene Abfluss von Working Capital hätten sich negativ auf den Free Cashflow ausgewirkt.

Brenntag hat in jedem Jahr seit dem Börsengang am 29. März 2010 die Dividende gesteigert. Die Hauptversammlung fand am 9. Juni 2022 statt. Den Aktionären wurde eine Dividende in Höhe von 1,45 Euro ausbezahlt. Dies entsprach einer Steigerung um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1,35 Euro). Beim derzeitigen Börsenkurs liegt die aktuelle Dividendenrendite bei rund 2,20 Prozent. Die Zwischenergebnisse für das zweite Quartal 2022 werden am 10. August präsentiert. Zuletzt wurde für das Geschäftsjahr 2022 ein operatives EBITDA zwischen 1,45 Mrd. Euro und 1,55 Mrd. Euro erwartet.

CEWE mit 13. Dividendenanhebung in Folge

CEWE Neubau am Standort Oldenburg / Bild: CEWE Stiftung
Im Mai letzten Jahres erklomm die Aktie des Fotodienstleisters CEWE Stiftung & Co. KGaA mit rund 138 Euro ein Allzeithoch. Seitdem ging es bis zuletzt auf rund 84,80 Euro abwärts. Die CEWE-Gruppe ist Europas führender Foto-Service und Onlinedruck-Anbieter. CEWE erzielte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2022 einen Umsatz von 138,9 Mio. Euro. Dies waren rund 4,8 Prozent weniger als im Vorjahr (145,9 Mio. Euro). Dabei wiederholte sich die Corona-bedingte Sonderkonjunktur des Vorjahresquartals nicht. Im Lockdown des ersten Quartals 2021 wurde von vielen Kundinnen und Kunden die Zeit zu Hause genutzt, um Fotobestellungen aufzugeben. Das Betriebsergebnis (EBIT) erreichte 2,1 Mio. Euro (2021: 8,6 Mio. Euro). Die Zahlen zum zweiten Quartal werden am 9. August präsentiert.
 
CEWE zeigt sich beim Ausblick vorsichtig. So wird für 2022 ein Umsatz in der breiten Spanne zwischen 680 und 740 Mio. Euro (- 2 bis + 7 Prozent) und ein EBIT von 65 bis 80 Mio. Euro (- 15 bis + 6 Prozent) in Aussicht gestellt. Dabei seien die Ukraine oder Russland keine Absatzmärkte für CEWE. Bei der Dividende gibt es nichts zu meckern. Die Ausschüttung wurde um 2,2 Prozent von 2,30 Euro auf 2,35 Euro erhöht. Es war die 13. Dividendenanhebung in Folge. Auf Basis des aktuellen Börsenkurses entspricht dies einer Dividendenrendite von 2,77 Prozent. Die Hauptversammlung fand am 15. Juni 2022 statt. Die CEWE-Aktie ist im SDAX gelistet. Die Gründerfamilie Neumüller ist mit knapp 27,1 Prozent größter Aktionär.

Bechtle – zwölfte Dividendenanhebung in Folge

Firmenzentrale der Bechtle AG in Neckarsulm / Bild: Bechtle AG
Eine Serie von zwölf Dividendenanhebungen in Folge weist der IT-Dienstleister Bechtle AG auf. Die Dividende wurde auf der Hauptversammlung am 2. Juni 2022 um 22,2 Prozent auf 0,55 Euro je Aktie (Vorjahr: 0,45 Euro) erhöht. Auf Basis des derzeitigen Börsenkurses liegt die aktuelle Dividendenrendite bei 1,41 Prozent. Seit dem Börsengang 2000 zahlt Bechtle ohne Unterbrechung eine Dividende. Die Ausschüttungsquote liegt bei 29,9 % (Vorjahr: 29,4 Prozent), was einer vernünftigen Quote entspricht und weiter Spielraum nach oben lässt.

Der Umsatz stieg im 1. Quartal 2022 um 6,8 Prozent auf 1,38 Mrd. Euro. Das Vorsteuerergebnis (EBT) steigerte Bechtle um 21,4 Prozent auf 74,04 Mio. Euro. Die EBT-Marge belief sich damit auf 5,4 Prozent (Vorjahr: 4,7 Prozent). Das Ergebnis nach Steuern stieg um 21,4 Prozent auf 52,94 Mio. Euro. Zum 31. März 2022 beschäftigte Bechtle 12.966 Mitarbeitende, das sind 660 Menschen mehr als im Vorjahresquartal. Den Bericht für das zweite Quartal 2022 wird Bechtle am 11. August veröffentlichen.

Der Vorstand rechnet insgesamt und trotz der Unsicherheiten auch im laufenden Geschäftsjahr mit einer positiven Entwicklung der Bechtle AG. Umsatz und Ergebnis sollen deutlich steigen, die EBT-Marge will Bechtle auf hohem Niveau halten. Ungeachtet der Risiken sei die Neigung der Kunden, im Zuge der digitalen Transformation in IT zu investieren, weiterhin hoch. Ein Risiko besteht in der Profitabilität. Steigende Kosten für Investitionen könnten auf die Margen drücken. Die Aktie ist auf dem aktuellen Niveau rund 33 Prozent vom Allzeithoch bei knapp 69 Euro entfernt.
Werner W. Rehmet ist der Gründer und Herausgeber von MyDividends. Nach seinem wirtschaftswissenschaftlichen Studium durchlief er mehrere Stationen bei renommierten Bankhäusern. In langjährigen Aufenthalten an der Wall Street und an wichtigen Finanzzentren wie Zürich setzte er sich intensiv mit verschiedenen Börsenthemen auseinander. Hier folgten auch erste Medienauftritte und Publikationen zu zahlreichen Börsenthemen. Seine umfangreichen Kenntnisse im Börsengeschäft führten schließlich zur Gründung der Börsenplattform MyDividends.de, die sich ausschließlich dem Thema Dividenden widmet, unter dem Motto „der Ertrag zählt“.
Hinweis: Werner W. Rehmet kann Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen halten und somit kann ein möglicher Interessenskonflikt bestehen.
Das jährlich erscheindende Dividenden-Heft kann hier als pdf heruntergeladen werden!

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

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