Rallye oder Gewinnmitnahmen?

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Robert Ertl / Bild: Freund
Optimisten in der Überzahl: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche bei uneinheitlichem Verlauf überwiegend zugelegt. Für Auftrieb sorgten dabei einerseits Spekulationen, dass China von seiner bisherigen Null-Covid-Politik, die erhebliche negative Folgen für die Wirtschaft hat, abrücken könnte. Andererseits setzten viele Anleger wie schon in der Vorwoche darauf, dass die US-Notenbank Fed das Tempo ihrer geldpolitischen Straffung reduzieren könnte. Zwar dämpfte Fed-Chef Jerome Powell Hoffnungen auf einen generell weniger straffen Kurs nach der Ratssitzung am vergangenen Mittwoch, bei der die Fed den Leitzins wie erwartet um 0,75 Prozentpunkte angehoben hat, was sich am Folgetag auch direkt negativ an den Märkten niederschlug. Allerdings fielen am vergangenen Freitag die US-Arbeitsmarktzahlen zwar positiv aus, aber nicht so stark, als dass die Fed nicht über weniger umfangreiche Zinsschritte nachdenken könnte, wie Beobachter kommentierten.

Fünfter Wochengewinn in Folge

Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg im Wochenvergleich um 1,6 Prozent auf 13.459,85 Punkte, es war der fünfte Wochengewinn in Folge. Der MDax rückte um 0,7 Prozent auf 23.811,57 Zähler vor. Der TecDax sank dagegen um 0,5 Prozent auf 2.835,07 Punkte, Technologiewerte leiden unter steigenden Zinsen besonders. Der m:access All-Share gab 0,6 Prozent ab auf 1.707,39 Zähler.
 
Für Begeisterung dürfte die vergangene Woche bei Aktionären von Adidas gesorgt haben. Nach zwei schwachen Vorwochen kletterte der Kurs des Sportartikelherstellers auf Wochensicht um 20,2 Prozent. Hauptgrund für den Kurssprung war die Nachricht, dass Björn Gulden, der aktuelle Vorstandschef von Puma, seinen Vertrag nicht verlängern wird und schon bald an die Spitze von Adidas wechseln könnte. Die Titel von Puma, die direkt nach der Nachricht deutlich abgesackt waren, die Verluste aber weitgehend wieder wettmachen konnten, reduzierten sich auf Wochensicht um 1,1 Prozent.

Die beiden Konkurrenten aus Herzogenaurach vereint ein Novum in ihrer Geschichte: Der Puma-Vorstand wird zum Konkurrenten Adidas wechseln, was Adidas Kursgewinne bescherte.

Anleihen: Notierungen belastet

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche nachgegeben. Die im Oktober erneut gestiegenen Verbraucherpreise in der Eurozone und die damit einhergehenden Erwartungen weiterer deutlicher Zinsschritte der Europäischen Zentralbank belasteten die Notierungen der Bundespapiere. Die Aussagen von Fed-Chef Powell, und hier besonders die Aussicht auf ein letztlich höheres Zinsniveau in den USA im kommenden Jahr als noch vor Kurzem erwartet, sorgten für zusätzlichen Druck. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe zog im Wochenvergleich von 2,08 auf 2,29 Prozent an. Die Umlaufrendite legte von 2,06 auf 2,19 Prozent zu.

USA: Negative Wochenbilanz

Die US-Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche Verluste verzeichnet. Zwar verhalf der US-Arbeitsmarktbericht den großen Indizes am Freitag zu teils deutlichen Tagesgewinnen, diese konnten die negative Wochenbilanz aber nicht verhindern. Besonders die Aussicht auf weiter steigende Zinsen hatten den Anlegern zuvor die Stimmung verdorben. Der Dow-Jones-Index büßte im Wochenvergleich 1,4 Prozent auf 32.403,22 Punkte ein. Der breiter gefasste S&P-500-Index fiel um 3,3 Prozent auf 3.770,55 Zähler. Der von Technologiewerten dominierte Nasdaq-100-Index rutschte um 6,0 Prozent auf 10.857,03 Punkte ab, hier zeigte sich wie bei seinem deutschen Pendant die höhere Anfälligkeit von Tech-Werten für steigende Zinsen.

Ausblick: Weiterhin Druck auf dem Kessel

Hinsichtlich der Entwicklung an den deutschen Aktienbörsen in dieser Woche herrscht keine Einigkeit unter professionellen Beobachtern. Zwar hält bei einigen die Hoffnung auf eine Fortsetzung der bisherigen Herbstrallye an, allerdings mehren sich diejenigen, die inzwischen eher mit Gewinnmitnahmen rechnen. Letztere argumentieren dabei, dass die Rezessionsängste zuletzt zwar in den Hintergrund getreten waren, grundsätzlich aber natürlich nicht vom Tisch seien. Die Zinsen werden weiter steigen, und die Hoffnung, dass dies in den USA in einem geringeren Tempo geschehe als zuletzt, würden von einem erwarteten höheren Zinsniveau im kommenden Jahr zum Teil konterkariert, heißt es. Zudem könnten die in dieser Woche anstehenden Zahlen zu den Verbraucherpreisen in den USA selbst die Erwartung geringerer Zinsschritte bei den kommenden Sitzungen der US-Notenbank dämpfen, sollte die Inflationsrate nicht wie erwartet zurückgehen.

Neben den Verbraucherpreisen aus den USA stehen auch solche aus der Eurozone sowie China an. Ansonsten sind nur wenige potenziell marktbewegende Konjunkturdaten angekündigt, hier dürften die Industrieproduktion in der Eurozone und das Verbrauchervertrauen in den USA im Fokus stehen.

Berichtssaison und US-Zwischenwahlen

Impulse dürften dagegen von der weiter laufenden Berichtssaison kommen. Aus dem Dax legen dabei unter anderem Adidas, Allianz, Bayer, Deutsche Post, Münchener Rück und RWE ihre Quartalszahlen vor.

Daneben könnten sich von politischer Seite her die Zwischenwahlen in den USA auf die Märkte auswirken. Wenn die Republikaner wie prognostiziert einen deutlichen Stimmenzuwachs verbuchen können, könnte sich dies in der Stimmung an den Börsen bemerkbar machen.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 07.11.: Industrieproduktion in Deutschland
Dienstag, 08.11.:
Einzelhandelsumsätze in der Eurozone
Mittwoch, 09.11.: V
erbraucherpreise in China
Donnerstag, 10.11.:
Verbraucherpreise in den USA
Freitag, 11.11.:
Verbraucherpreise in Deutschland; Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (USA)

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Deutsche Post 38,18 0,00%
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Populäre Aktien

PUMA I 50,52 2,91%
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Populäre Aktien

RWE 42,45 1,07%
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Populäre Aktien

UC TecDAX 3.129,71 3,43%
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Populäre Aktien

Allianz 203,20 -0,85%
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Populäre Aktien

Münchener Rück 303,60 0,73%
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Populäre Aktien

UC MDAX 25.898,37 2,14%
UC DAX 14.470,02 0,80%
adidas 125,20 1,26%
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Populäre Aktien

Bayer 55,08 -1,15%
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Populäre Aktien

m:access All-Share Index GTR 1.829,73 0,13%
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Tops und Flops

UC Dow Jones 34.226,63 N.A.
UC S&P 500 4.059,12 N.A.