Chinas Verbraucher boykottieren US-Labels – Was Anleger beachten müssen

Eng Teck Tan, Nikko Asset Management
Eng Teck Tan/ Bild: Nikko
Infolge des harten US-amerikanischen Vorgehens gegen China mehren sich die Anzeichen, dass Chinas Konsumenten weniger US-Produkte kaufen. Nachdem Apple vor kurzem einen Rückgang des iPhone-Absatzes in China berichtet hatte, rücken nun andere US-Marken in den Fokus der Anleger. Doch wird davor gewarnt, das Boykottrisiko aller US-Unternehmen über einen Kamm zu scheren. Durch die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China dürften US-Marken ihre Vormachtstellung auf dem chinesischen Markt weiter verlieren. Davon profitieren nationale Marken, die in naher Zukunft den heimischen Verbrauchermarkt dominieren dürften.
Viele westliche Experten führen die rückläufigen Umsätze von Apple, Starbucks und anderen US-Unternehmen in China auf die zuletzt schwächelnde Konjunktur des Landes zurück. Doch nach unseren Beobachtungen vor Ort ist es auch das derzeit stark ausgeprägte nationalistische Sentiment in China, das eine steigende Boykottwelle der Konsumenten gegen US-Marken wahrscheinlich macht.
Je sichtbarer eine US-Marke in den großen Städten Chinas ist, desto anfälliger ist sie, Opfer eines Boykotts chinesischer Verbraucher zu werden. US-Labels, die leicht durch inländische Marken ersetzt werden können, ohne dass sich die Verbraucher bei der Nutzung umgewöhnen müssen, sind anfälliger für Boykotte als solche, die nicht ohne Weiteres ersetzt werden können. US-Unternehmen wie Apple, General Motors, Ford, Hilton, Marriott, Tiffany & Co und Walmart sind verwundbar, da sie keinen besonderen Wettbewerbsvorteil gegenüber der chinesischen Konkurrenz haben. Auf der anderen Seite sind etwa bei Procter & Gamble, Coca Cola, Estee Lauder, Kimberly-Clark und dem Kreuzfahrtunternehmen Carnival die Risiken eines Boykotts eher gering, da sie in ihrer Branche nur eine begrenzte Anzahl an lokalen Wettbewerbern haben.
Aus diesen Gründen ist es für Anleger von entscheidender Bedeutung, zwischen US-Unternehmen in China mit hohem und solchen mit niedrigem Boykott-Risiko zu unterscheiden.
Eng Teck Tan ist Senior Portfolio Manager bei Nikko Asset Management und ist seit seinem Studium an der Nanyang Technological University in Singapur auf asiatische Aktien spezialisiert.