Gebremster Aufschwung

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche

Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Volatil. Nach einer Berg- und Talfahrt haben sich die deutschen Aktienmärkte in der vergangenen Woche zwar erneut widerstandfähig präsentiert, unter dem Strich aber etwas an Boden verloren. Dabei verlief das Geschäft bei niedrigen Umsätzen trotz zahlreicher durchaus widersprüchlich ausgefallener Konjunkturdaten und heftig steigender Preisindizes erneut in ruhigen Bahnen. Für Unruhe am Markt und für fallende Kurse sorgten am Freitagnachmittag allerdings die neuesten US-Arbeitsmarktzahlen. Diese waren nicht nur deutlich schlechter ausgefallen als erwartet, sondern hatten parallel dazu auch noch gezeigt, dass die Löhne in den USA zuletzt deutlich stärker als prognostiziert gestiegen sind. Letzteres beflügelte die sowieso schon bestehenden Inflationsängste. Weiter im Blick hatten die Anleger zudem die neuen Zusammensetzungen der Indizes der Dax-Familie. Große Überraschungen blieben allerdings aus, als die Deutsche Börse am Freitag nach Börsenschluss bekanntgab, wie sich ihre Indizes ab dem 20. September zusammensetzen werden. Dies gilt auch für die 10 neuen Mitglieder, die der DAX bekommen wird.

DAX gab leicht nach

Die Verluste am Freitag führten dazu, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) im Wochenvergleich um 0,6 Prozent auf 15.768,06 Punkte nachgab. Leicht abwärts ging es auch bei den Werten aus der zweiten Reihe. So verlor der MDax 0,5 Prozent auf 35.974,42 Punkte. Der TecDax machte dagegen weiter Boden gut und legte unter dem Strich um 0,5 Prozent auf 3.934,75 Punkte zu. Der m:access All-Share verbesserte sich sogar um 0,8 Prozent auf 3.029,24 Zähler.
 
Auffällig war, dass sich die meisten Papiere, die aus dem MDax in den Dax aufsteigen werden, in der vergangenen Woche insgesamt kaum vom Fleck rührten. So konnte das künftige Dax-Schwergewicht Airbus im Wochenverlauf zwar vorrübergehend deutlich zulegen, eine schlechte Entwicklung am Freitag führte aber dazu, dass die Aktien im Wochenvergleich unter dem Strich nur um 0,4 Prozent auf 114,62 Euro voran kamen. Positiver Ausreißer unter den Dax-Neulingen waren Sartorius. Die Vorzüge des Pharmazulieferers und Laborausrüsters rutschten am Freitag zwar wie Airbus um rund 2 Prozent ab, allerdings stand für sie immer noch ein Wochenplus von 3,1 Prozent auf 571,20 Euro in den Büchern.
Die DAX-Aufsteiger aus dem MDax konnten überwiegend nicht von der Ankündigung der Deutschen Börse profitieren, ein deutliches Wochenplus legte hingegen Sartorius hin.

Anleihen: Abwärtstrend setzt sich fort

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten sind in der vergangenen Woche erneut leicht gefallen. Damit setzte sich der bereits eine Woche zuvor begonnene Abwärtstrend fort. Auch die schlechter als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten am Freitag konnten an der Entwicklung nur kurzfristig etwas ändern. Denn bis zum Handelsende drehten die Kurse wieder ins Minus. Insgesamt büßte die Rendite der marktbestimmenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich 0,7 Basispunkte ein und wurde im späten Freitagsgeschäft nur noch mit -0,36 Prozent berechnet. Die Umlaufrendite gab dagegen nur 3 Hundertstel auf -0,44 Prozent ab.

US-Kurse: Verhaltener Wochenausklang

Erneut besser als die deutschen Aktienmärkte haben die US-Börsen abgeschnitten. Sie setzten in der vergangenen Woche zunächst ihre Rekordjagd fort, wurden allerdings zumindest am Freitag etwas von enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten ausgebremst. In der Summe gab der Dow-Jones-Index im Wochenvergleich um 0,2 Prozent auf 35.370,56 Punkte nach. Für den breiter gefasste S&P-500-Index stand dagegen ein Wochenplus von 0,6 Prozent auf 4.536,32 Zähler zu Buche. Damit beendete er den Handel am Freitag nur geringfügig unter dem neuen Rekordhoch, das er am Donnerstag erreicht hatte. Ebenfalls auf Rekordkurs blieb der technologielastige Nasdaq-100-Index. Er stieg im Wochenvergleich sogar um 1,4 Prozent auf 15.652,04 Punkte.

Ausblick: Kaum fundamentale Daten

Nachdem in der vergangenen Woche ein Feuerwerk neuer Konjunkturdaten auf die Börsianer eingeprasselt war, geht es in den kommenden sieben Tagen zumindest auf der Datenseite wesentlich ruhiger zu. Es gibt nur wenige Konjunkturdaten – und auch von Firmenseite sind nur sehr wenige neue Zahlen zu erwarten. Hinzu kommt, dass die US-Börsen an diesem Montag wegen des Feiertags Labor Day geschlossen bleiben. Zumindest zu Wochenbeginn ist also mit keinen Impulsen aus den USA und auch nicht mit Umsätzen durch US-Investoren zu rechnen. Auch deshalb gehen viele Beobachter davon aus, dass sich die volatile, aber auch relativ ruhige Entwicklung an den Aktienmärkten in dieser Woche fortsetzen wird. Dabei erwarten die Marktteilnehmer allerdings insgesamt wieder steigende Umsätze, da mit der zu Ende gehenden Urlaubszeit viele Investoren wieder an die Börse zurückkehren werden.
 
Unabhängig davon dürften nach allgemeiner Einschätzung die Inflationsängste sowie die Sorgen, dass der Aufschwung durch die großen Lieferschwierigkeiten etwa bei Halbleitern ausgebremst wird, weiter die zentralen Themen an den Märkten bleiben. Umso mehr wirft die für Donnerstag anstehende EZB-Ratssitzung schon in den Tagen zuvor ihren Schatten voraus. Hier erhoffen sich die Anleger sowohl Informationen zur weiteren Zinsentwicklung und zu den Inflationsprognosen der EZB als auch Auskunft darüber, wie die EZB beim Thema Anleihekäufe weiter vorgehen will. Bereits einen Tag zuvor wird zudem das neueste Beige-Book der US-Notenbank Fed veröffentlicht.

Start der IAA Mobility in München

Gerade zum Thema Lieferprobleme erwarten die Anleger auch Antworten auf der in dieser Woche stattfindenden IAA. Die nach München ausgewanderte Automobilausstellung, die nun IAA Mobility heißt, startet an diesem Montag mit dem traditionellen Pressetag. Einen wesentlichen Hinweis zur Wirtschaftsentwicklung in Deutschland dürften zudem die ebenfalls am Montag anstehenden Zahlen zum Auftragseingang der deutschen Industrie liefern, gefolgt von der Entwicklung der Industrieproduktion. Die Zahlen dazu werden am Dienstag veröffentlicht. Die Inflationsängste wiederum dürften am Mittwoch in den Blickpunkt rücken, denn dann werden die neuesten Daten zur Lohnentwicklung in Deutschland publiziert. Am Donnerstag folgen die deutsche Handels- und Leistungsbilanz sowie die Entwicklung der deutschen Importe und Exporte.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 06.09.:
Pressetag vor Beginn der 69. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) (07.09. - 12.09.21); Auftragseingang der deutschen Industrie; Sentix Investorenvertrauen. US-Börse geschlossen
Dienstag, 07.09.:
Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland; ZEW-Konjunkturerwartungen; Entwicklung des BIP in der Eurozone im 2. Quartal (3. Veröffentlichung)
Mittwoch, 08.09.:
Entwicklung der Arbeitskosten in Deutschland im 2. Quartal; Beige-Book der Fed; Entwicklung der US-Konsumentenkredite im Juli
Donnerstag, 09.09.:
EZB-Ratssitzung; Entwicklung der deutschen Handels- und Leistungsbilanz; Entwicklung der deutschen Importe und Exporte im Juli; Capital Markets Day der Merck KGaA  
Freitag, 10.09.:
Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland im August (endgültige Zahlen); US-Erzeugerpreise im August; Entwicklung der Industrieproduktion im Großbritannien im Juli

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Deutsche Börse 143,20 0,49%
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Sartorius Vz I 566,40 0,68%
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m:access All-Share Index GTR 3.089,64 -1,32%
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Tops und Flops

Airbus Br Rg 112,66 -1,90%
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